Stendelwurz
Breitblättrige Stendelwurz
Artenbeschrieb
Gattungsmerkmale für alle Stendelwurz (Epipactis sp.)
- Lippe zwei-gliedrig mit Vorder- und Hinterlippe
- Hinterlippe schüsselförmig, enthält Nektar (nur bei dieser Gattung so)
- Blütenstand vor der Blütezeit hängend, richtet sich zur Blütezeit auf, Blüten und Kapsel-Früchte hängend, Fruchtstand aufrecht
Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine (L.) Crantz) Prototyp aller Stendelwurz-Arten!
Blüte der Breitblättrigen Stendelwurz
- 20-80 cm hoch
- Blüten sehr variabel, weisslich-grün bis dunkelrosa, meist rot oder violett überlaufen, Schwielen glatt/gekräuselt
- Stängel grün, nur an der Basis violett überlaufen
- Blätter beidseits grün, schraubig angeordnet, eiförmig bis lanzettlich 1-3 mal so lang wie breit («breitblättrig»!), sehr variabel
- Blütezeit Mitte Juli bis Anfang September, Samenreife ab Mitte Oktober
Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens Besser)
Dunkel purpurrote Blüte
- 15-80 cm hoch
- Blüten Dunkel purpurrot, Schwielen auffallend runzlig
- Stängel rötlich
- Blätter dunkelgrün, unterseits oft purpur überlaufen, +/- zweizeilig angeordnet, 2-3 mal so lang wie breit
- Blütezeit Juni bis August, Samenreife ab Mitte Oktober
Violette Stendelwurz (Epipactis purpurata Sm.)
Blüte der Breitblättrigen Stendelwurz
- 20-80 cm hoch
- Blüten Grünlich-weiss, schwach violett überlaufen, Schwielen glatt
- Stängel violett überlaufen oder graugrün
- Blätter beim Austrieb dunkelviolett, später graugrün, schraubig angeordnet, 2-3 mal so lang wie breitBlütezeit Ende Juli bis Anfang September, Samenreife ab Mitte Oktober
Ähnliche Arten
Die Arten sollten im blühenden Zustand bestimmt werden.
Ähnliche Arten sind die weiteren Stendelwurz-Arten (seltenere: E. microphylla, E. muelleri, E. leptochila). Vegetativ zu verwechseln mit Frauenschuh (Cypripedium calceolus), siehe Steckbrief
Pflege und Gefährdung
Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine (L.) Crantz)
Was hilft der Art?
- Späte Mahd (November/Dezember)
- Bei früherchnitt Pflanzen markieren und später schneiden oder stehen lassen
- Förderung von lichten Wäldern
Was gefährdet die Art?
- Zu frühe Mahd von Wegrändern-/böschungen
- Verdunkelung von Wäldern, Zunahme der Bestandesdichte
Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens Besser)
Was hilft der Art?
- Späte Mahd (ab Mitte Oktober). Samen sind früher reif als bei den anderen beiden Stendelwurz-Arten.
- Bei früherem Schnitt Pflanzen markieren und später schneiden oder stehen lassen
- Förderung von lichten Wäldern, PionierwäldernZuwachsende / verdunkelnde Waldstellen auflichten, Krautschicht lückig halten (sonst nicht konkurrenzfähig).
Was gefährdet die Art?
- Zu früher Schnitt vonWegrändern-/böschungen
- Verdunkelung von Wäldern, Zunahme der Bestandesdichte von Baum- und Krautschicht
Violette Stendelwurz (Epipactis purpurata Sm.)
Was hilft der Art?
- Fördern einer strauch- undkrautarmen Unterschicht, Baumbestand kaum auflichten
- Bodenschicht nicht stören durch Befahren, Aufreissen etc.
- Fichten soweit möglich erhalten
Was gefährdet die Art?
- Starke Bestandesveränderungen der Baumschicht (z.B. durch Absterben der Fichten)
- Zu starkes Auflichten
- Aufschütten von Wegrändern
Lebensraumansprüche & Vorkommen
Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine (L.) Crantz)
- Wechselfeuchte, basenreiche, nährstoffarme, humusreiche, dichte Böden
- Hauptverbreitung auf frischen, kalkreichen Lehmböden in Buchen- oder Hagebuchenwäldern
- Lichte Wälder, besonders Hangwälder
- Waldböschungen, Weg- und Strassenränder
- Grundsätzlich sehr breite ökologische Amplitude («Es gibt keine Waldgesellschaft, in der sie nicht gedeihen könnte» (Sebald, 1998)
Nach Delarze
6.2 - Buchenwälder
6.2.1 - Orchideen-Buchenwald (Cephalanthero-Fagenion)
Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens Besser)
- Trockene und wechseltrockene, basenreiche, nährstoffarme, dichte Böden in halbschattigen, sonnenerwärmten Lagen
- Rohböden, v.a. Mergel, Kalkschutt etc.
- Hänge, Rutschungen, Böschungen
- Rohbodenpflanze
- Lichte Föhren-, Buchen- und Eichenwälder
Nach Delarze
3.3.1.5 - Trockenwarme Kalkschuttflur (Stipion calamagrostis)
6.4 - Wärmeliebende Föhrenwälder
6.4.1 - Pfeifengras-Förhrenwald (Molinio-Pinion)
6.4.2 - Subkontinentaler kalkreicher Föhrenwald (Erico-Pinion sylvestris)
6.4.3 - Kontinentaler Steppen-Föhrenwald (Ononido-Pinion)
Violette Stendelwurz (Epipactis purpurata Sm.)
- Mittelfeuchte, basenreiche,nährstoffarme, humusreiche Böden in schattigen Lagen
- Auch auf Lehmböden kalkarmer und kalkreicher Standorte
- Frische Laubmischwälder
- Vegetationsarme Weg- und Strassenränder
- Stark von Pilzen abhängig
Nach Delarze
6.2.1 - Orchideen-Buchenwald (Cephalanthero-Fagenion)
Arten mit gleichen/ähnlichen Ansprüchen (nicht abschliessend)
Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens Besser)
Flora
- Lichtliebende Arten wie:
- Fieder-Zwenke (Brachypodium pinnatum)
- Schlaffe Segge (Carex flacca)
- Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria)
- Schwarzwerdender Geissklee (Cytisus nigricans), siehe Steckbrief
- Straussblütige Margerite (Tanacetum corymbosum)
Violette Stendelwurz (Epipactis purpurata Sm.)
Flora
- Moosorchis (Goodyera repens), siehe Steckbrief
- Weisses Waldvögelein (Cephalanthera damasonium), siehe Steckbrief
Weiteres
- Der Nektar in der schüsselartigen Mulde der Hinterlippe bietet Nahrung für eine Reihe von kurzrüssligen Bestäubern wie Bienen, Hummeln, Wespen und Fliegen
- Charakteristisch für alle Stendelwurz-Arten ist der überhängende Blütenstand im Knospenstadium, der sich zur Blütezeit aufrichtet. Diese Tatsache hat womöglich dazu geführt, dass man der Gattung gemäss der Signaturenlehre eine aphrodisierende Wirkung zuschrieb, wodurch sie zu ihrem deutschen Namen «Stendelwurz», oder gemäss neuer Rechtschreibung «Ständelwurz», kam.
Kontakt
Amt für Landschaft und Natur – Abteilung Wald