Moosorchis
Moosorchis (Kriechendes Netzblatt)
Artbeschrieb
Moosorchis im vegetativen Zustand
- 5-25 cm hoch
- Mit oberirdischer, im Moos kriechender, verzweigter Grundachse (Rhizomgeophyt), wächst teppichartig
- Rosettenblätter, spitz-eiförmig, gestielt, netzaderig, kahl
- Stängel dicht mit weissen, abstehenden Drüsenhaaren besetzt
- An den Rhizom-Enden wächst im Herbst eine 5-8-blättrige Rosette
- Nach der Blüte stirbt die zugehörige Rosette ab, unterhalb der Blattrosette entstehen jedoch neue Seitensprossen, aus denen wieder eine neue Rosette austreibt – im Erscheinungsbild ist die Art deshalb immergrün
- Blütenstand einseitswendig
- Blüten klein, weiss, mit langen weissen Drüsenhaaren; Unterlippe ohne Sporn, aber am Grund sackartig vertieft; nach der Spitze verschmälert, rinnig und schnabelartig abwärts gebogen
- Blütezeit Mitte Juni bis Mitte August, Samenreife ab Anfang Oktober
Ähnliche Arten
In schattigen, moosigen Wäldern sind keine ähnlichen Arten vorhanden.
Der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) ist in vegetativem Zustand äusserlich schwer von der Kleinen Schwarzwurzel auseinanderzuhalten und unterscheidet sich durch folgenden Merkmale:Von der Gestalt ist die Art jedoch mit der Herbst-Wendelähre (Spiranthes spiralis) verwechselbar. Diese unterscheidet sich durch:
- Spiraliger Blütenstand (nicht einseitswendig)
- Rosettenblätter parallelnervig (nicht netznervig), keine bodennahen Ausläufer
- Vorkommen in Halbtrockenrasen, Magerweiden
Herbst-Wendelähre (Spiranthes spiralis)
Pflege und Gefährdung
Was hilft der Art?
- Bei kleinen Beständen: Pflanzen markieren und rundum ausmähen, Mahd ab Mitte August möglich, Mähgut abführen
- Bei grossen Beständen (> 100 Pflanzen) und in Fichten und Föhren fördern, Laubbäume reduzieren
- keine Bedeckung durch Laub, insbesondere kein Buchen- und Eichenlaub
- Baumbestand nicht zu stark auflichten, aufkommende Sträucher und Krautpflanzen verdrängen die Moosorchis
- Ideal: wenig bewachsener Waldboden mit erhaltener Moosschicht (ggf. auch nur verpilzte stabile Nadelstreue)
- Überwachsen der moosigen Standorte verhindern, vorsichtig entbuschen
- Stämme/Äste sorgfältig ohne Bodenschaden entfernen, nicht im Bereich der Moosorchis liegen lassen
- Befahren, Holzrücken, Begehen kann die Rhizome während dem ganzen Jahr schädigen.
- An Wuchsorten Brombeeren sorgfältig zurückschneiden (nicht aushacken)
Was gefährdet die Art?
- Zu starkes Auflichten mit nachfolgendem Vertrocknen der Moospolster und der Rhizome durch starke Sonneneinstrahlung sowie nachfolgende Entwicklung einer dichten Gras-/Krautschicht.
- Zu grobes Entbuschen, Aufreissen des Oberbodens bei Abtransport von Stämmen/Ästen.
- Absterben der Fichten infolge Klimawandel
Anmerkung:
Insbesondere die künstlich begründeten Fichtenbestände stehen unter Druck (Trockenheit, Borkenkäfer etc.). Dynamik kann die Moosorchis in tieferen Lagen schnell zum Verschwinden bringen. Der Ersatz durch Waldföhren benötigt (zu) viel Licht und Zeit. Fördermassnahmen für die Moosorchis sind in geeigneten Waldbestände frühzeitig zu planen.
Lebensraumansprüche und Vorkommen
- Trockene, nährstoffarme, humusreiche, lockere Böden in schattigen Lagen
- Moosreiche naturnahe oder (in unteren Lagen) kulturbedingte Föhren- und Föhren-/Fichtenwälder
- Vorzugsweise auf Moospolstern, auf Föhrennadelnstreue (dort wenig Konkurrenz durch andere Pflanzen – die Moosorchis ist sehr konkurrenzschwach)
Nach Delarze
6.4.2 - Subkontinentalerkalkreicher Föhrenwald (Erico-Pinion sylvestris)
Arten mit gleichen/ähnlichen Ansprüchen (nicht abschliessend)
Arten mit ähnlichem Habitat sind u.a. verschiedene weitere Orchideen- und Wintergrünarten.
- Birngrün (Orthilia secunda)
- Fieder-Zwenke (Brachypodium pinnatum)
- Gewöhnlicher Fichtenspargel (Monotropa hypopitys)
- Grünliches Wintergrün (Pyrola chlorantha), siehe Steckbrief
- Heidelbeere (Vaccinium myrtillus)
- Kahler Fichtenspargel (Monotropa hypophegea)
- Kleines Wintergrün (Pyrola minor), siehe Steckbrief
- Mittleres Wintergrün (Pyrola media), siehe Steckbrief
- Moosauge (Moneses uniflora), siehe Steckbrief
- Nestwurz (Neottia nidus-avis)
- Schlaffe Segge (Cares flacca)
- Steinbeere (Rubus saxatilis)
- Weisses Waldvögelein (Cephalanthera damasonium), siehe Steckbrief
Weiteres
- Enthält Nektar in der Hinterlippe, duftet süsslich
- Wird durch Bienen und Hummeln bestäubt
Schutzstatus
Kontakt
Amt für Landschaft und Natur – Abteilung Wald