Normalvollzug+

In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Pöschwies hat sich der Normalvollzug, der immerhin die Hälfte der Vollzugsplätze ausmacht, in den vergangenen Jahren wenig entwickelt. Ein neues Konzept soll das nun ändern.

Inhaltsverzeichnis

Der Normalvollzug wird weiterentwickelt

Mit einem höheren Betreuungsschlüssel, baulichen Massnahmen und weiterentwickeltem Betreuungskonzept wird die Sicherheit im Normalvollzug erhöht und die Wiedereingliederung verbessert. Das stellt hohe Ansprüche an die Mitarbeitenden.

Zelle mit umzäuntem Vorgarten, der Tischtennistisch, Grill und Dartscheibe enthält.
Freiräume im Vollzug.

Der Normalvollzug soll sicherer werden

Der aktuelle Betreuungsschlüssel im Normalvollzug ist eigentlich zu tief, um die Sicherheit der Vollzugsmitarbeitenden und eine ideale Betreuung der inhaftierten Personen zu gewährleisten. Auf 24 Inhaftierte, welche sich abends frei über drei Stockwerke bewegen können, kommt nur ein Mitarbeiter. Dieser muss alles im Auge behalten, muss die Zellenrufe bedienen, die Post herausgeben und auf Inhaftierte eingehen, die im Büro vorbeikommen. Der Mitarbeiter ist allein, wenn sich aufgestaute Aggressionen entladen und ein Einschreiten nötig wird. Die Anstaltsleitung unter Andreas Naegeli hat die Situation analysiert und ist zum Schluss gekommen, dass sie den Sicherheitsansprüchen der JVA Pöschwies nicht gerecht wird.

24 Männer in Gefängniskleidung angeordnet um einen Gefängnismitarbeiter.
Auf 24 Inhaftierte kommt nur ein Mitarbeiter.

Wiedereingliederung fördern durch bauliche Massnahmen

Eine zentrale Idee des neuen Konzepts sind Freiräume. Diese sollen durch zusätzliche Aussenbereiche geschaffen werden, die abends zur Verfügung stehen. Dem Normalisierungsprinzip folgend eröffnen sie den inhaftierten Personen auf den Wohngruppen neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, beispielsweise einmal eine abendliche Gesprächsrunde oder ein Tischtennisturnier. Die Inhaftierten sollen lernen, ihre Freizeit aus eigenem Antrieb zu gestalten und so zu ihrer Wiedereingliederung beizutragen. Schliesslich sind die meisten in ihrer Freizeit straffällig geworden, nicht in der angeleiteten Arbeitszeit. Sie müssen also vor allem lernen, sich in ihrer Freizeit sinnvoll zu beschäftigen.

Küche mit Backofen, Topf und Kochmütze.
Mit zusätzlichem Personal können Küchen zugänglich gemacht werden.

Wiedereingliederung fördern durch angemessene Betreuung

Die baulichen Massnahmen brauchen ein betreuerisches Pendant. Statt einem sollen neu mindestens zwei Mitarbeitende zu jeder Zeit vor Ort sein und eine gute und sichere Betreuung gewährleisten. Dadurch werden neue Betreuungsmöglichkeiten eröffnet. So verfügt jeder Wohnpavillon über eine Küche, welche wegen mangelnder Aufsicht momentan nicht genutzt werden kann. Mit zusätzlichem Personal wird es möglich sein, dass die Inhaftierten gelegentlich selber kochen und so zusätzliche Kompetenzen erwerben. Das fördert nicht nur soziales Lernen, sondern ermöglicht auch dynamische Sicherheit. Beim Arbeitsmodell der dynamischen Sicherheit stärkt die Beziehung zwischen Justizvollzugspersonal und inhaftierten Personen die Sicherheit.

Hohe Ansprüche an die Mitarbeitenden

Damit wandelt sich der Charakter der Vollzugsarbeit. Die Tätigkeit verlagert sich von der Aufsicht im Büro zur Betreuung auf der Wohngruppe. Das Geschehen im Alltag der Wohngruppe wird ins Zentrum gerückt und als Arbeitsinstrument verwendet. Beispielsweise kann eine Situation beim gemeinsamen Kochen, die aggressives Verhalten auslöst, direkt angesprochen und die Konfliktlösung kann reflektiert werden. Das stellt hohe Anforderungen an das Vollzugspersonal. Nur mit mehr Stellenprozenten allein ist das nicht zu erreichen.
Es ist nicht immer einfach, sowohl die nötige professionelle Nähe als auch gleichzeitig eine professionelle Distanz zu den Inhaftierten zu wahren. Deshalb sieht das neue Konzept auch Weiterbildungsmassnahmen für das Gefängnispersonal vor.

Blaue Kletterpflanze mit Schlüssel rankt sich um orangen Bambus.
Nötige Nähe und professionelle Distanz.

Der Normalvollzug in der JVA Pöschwies wird durch personelle Aufstockung und neue Aussenbereiche verbessert. Das Ziel ist, die Sicherheit im Normalvollzug zu erhöhen und die persönliche Entwicklung der Straffälligen durch neue Freiräume zu fördern. Der Normalvollzug soll den Straffälligen eine bessere und individuellere Betreuung bieten und dadurch die Wiedereingliederung der Inhaftierten unterstützen.

Weiterführende Informationen

Verwenden Sie die Akkordeon-Bedienelemente, um die Sichtbarkeit der jeweiligen Panels (unterhalb der Bedienelemente) umzuschalten.