Fachpersonen Justizvollzug

Fachfrau und Fachmann Justizvollzug: ein vielseitiger Beruf, der sich stark verändert hat. Mit der Bewegung hin zu einem dynamischen Sicherheitsverständnis, bei dem die Beziehung zu den inhaftierten Personen das grösste Sicherheitskapital darstellt, verändern sich auch die Anforderungen an die Mitarbeitenden.

Gespräch mit Izabela Rueck

Izabela Rueck, stellvertretende Leiterin im Frauengefängnis Dielsdorf, hat diesen Wandel in ihrer Rolle als Aufseherin und Betreuerin selber mitgemacht und unterstützt jetzt als Vorgesetzte ihre Mitarbeitenden dabei.

Grafik - Superheld und Superheldin mit Handschellen und Schlüssel
Von der Wächterin zur Heldin

Seit wann sind Sie als Fachfrau Justizvollzug tätig?

Ich arbeite im elften Jahr im Gefängnis Dielsdorf. Angefangen habe ich als Aufseherin/Betreuerin und nach zwei Jahren habe ich die Ausbildung zur Fachfrau Justizvollzug gemacht. Unterdessen bin ich im Kader als Leiterin Haft- und Arbeitsbetrieb und stellvertretende Gefängnisleiterin.

Was sind Ihre Aufgaben?

In meiner aktuellen Position habe ich Führungsaufgaben wie zum Beispiel Mitarbeitendengespräche. Ich arbeite mit verschiedenen Anspruchsgruppen wie Seelsorgenden, Ärztinnen und Ärzten oder Anwältinnen und Anwälten zusammen und kümmere mich um die Optimierung von Arbeitsabläufen und Tagesstrukturen. In der Leitung des Arbeitsbetriebs bin ich immer auf der Suche nach neuen Ideen zur Beschäftigung der Insassinnen. Mit den inhaftierten Frauen habe ich weiterhin Kontakt, auch dann, wenn es um Beschwerden geht.

«Unser Beruf besteht aus ganz vielen Berufen.»

Izabela Rueck

Wie sieht ein Arbeitstag für die Mitarbeitenden in der Aufsicht und Betreuung aus?

Für die Aufseherinnen/Betreuerinnen und Aufseher/Betreuer beginnt der Tag mit dem Morgenrapport. Es wird berichtet, wie die Nacht verlaufen ist, und die wichtigsten Infos zum Tag und zu den Insassinnen werden besprochen. Dann geht es auf die Stöcke, in die Betreuungsarbeit. Wir haben viele Öffnungen, das heisst, dass sich die Insassinnen frei auf den Gängen bewegen können. Es gibt immer viele Gespräche mit den inhaftierten Frauen. Medikamente werden verteilt, Hausbriefe mit Anliegen der Insassinnen abgearbeitet, Besuche begleitet oder Events geplant und organisiert. Beispielsweise haben wir montags kreative Angebote mit Basteln oder Malen und freitags steht Sport auf dem Plan.

Wie ist die Ausbildung zur Fachfrau Justizvollzug?

Die Ausbildung des SKJV (Schweizerisches Kompetenzzentrum für den Justizvollzug) findet berufsbegleitend und in Modulen statt. Das ganze Package gibt einen Feinschliff und stärkt in der Rolle als Aufseherin und Betreuerin. Unser Beruf besteht aus ganz vielen Berufen, und das wird auch in der Ausbildung vermittelt. Es gibt unter anderem Module zu Recht, Gefängnismedizin, psychiatrischen Krankheitsbildern, Betreuung und Seelsorge.
Wichtige Themen sind die Beziehungsarbeit und der richtige Umgang mit den inhaftierten Personen – Stichwort Nähe und Distanz. Die Ausbildung basiert auf der Besprechung von konkreten Fällen. Was hätte ich besser machen können? Wie hätte ich anders reagieren können? Dann versucht man, das Gelernte direkt im Berufsalltag anzuwenden.

Grafik - Schlüssel
Der Schlüssel zum Herzen

Welche Fähigkeiten sind besonders wichtig? Haben sich die Anforderungen verändert?

Die grösste Herausforderung ist das Einhalten von Nähe und Distanz. Als ich in diesem Beruf angefangen habe, lag der Fokus auf Aufsicht und auf Sicherheit. Das ist immer noch enorm wichtig. Jedoch fällt der Umgang mit den Inhaftierten leichter, je mehr wir auch betreuen. Deshalb sind wir heute viel präsenter und stärker im Kontakt. Es geht weniger darum, zu kontrollieren und zu zählen, sondern darum, Gespräche zu führen und zuzuhören. Hier findet gerade ein grosser Wandel statt. Unsere Rolle verändert sich. Für Mitarbeitende, die schon lange dabei sind, ist das eine grosse Umstellung, auf die sie sich einlassen müssen.

Was hilft dabei, diesen Wandel umzusetzen?

Man muss die Veränderung wirklich wollen. Dafür müssen die Mitarbeitenden sie verstehen und den Sinn und Zweck dahinter sehen. So können sie darauf vertrauen, dass der Wandel auch ihnen zugutekommt. Schulung und Ausbildung unterstützen dieses Verständnis ebenfalls. Die Ausbildung am SKJV basiert deshalb immer mehr auf Beziehungsarbeit.

Für mich ist es wichtig, zu erklären, zu überzeugen und Vorbild zu sein. Ich kann nur dann etwas in mein Team einbringen, wenn ich selber zu 100 Prozent davon überzeugt bin. Die Mitarbeitenden in diesem Prozess zu betreuen und zu motivieren, immer mehr in Richtung Beziehungsarbeit zu gehen – darin liegt für mich die Herausforderung dieses Wandels.

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