Psychische Gesundheits­versorgung

Inhaftierte Personen können sich auf Wunsch oder auf gerichtliche Anordnung hin in psychologische oder psychiatrische Behandlung begeben. Dazu gehören neben der Normal- und Krisenversorgung auch deliktpräventive Therapien.

Inhaltsverzeichnis

Angebot & Ziel

Die Zürcher Gefängnisse sind für die psychiatrische, psychologische und psychotherapeutische Versorgung von straffälligen Personen in ihren Institutionen besorgt.

Ziel der Behandlung ist es zum Einen, das Rückfallrisiko der Inhaftierten nachhaltig zu verringern. Zum Andern soll ihre psychische Gesundheit erhalten werden. Es gilt also auch gesundheitliche Schäden zu vermeiden, die durch die Haft ausgelöst oder mitverursacht werden können.

Jährlich behandelt der Psychiatrisch-Psychologische Dienst (PPD) rund 250 Personen in rückfallpräventiven deliktorientierten Therapien. Davon werden etwa zwei Drittel in Institutionen und ein Drittel ambulant durchgeführt.

Die Behandlungen erfolgen entweder als freiwillige Therapien oder als gerichtlich angeordnete Massnahmen. Zuständig für die psychische Gesundheitsversorgung ist der Psychiatrisch-Psychologische Dienst (PPD) von Justizvollzug und Wiedereingliederung (JuWe).

Die Therapien finden in Vollzugs- und Massnahmeneinrichtungen sowie ambulant statt. Je nach Bedürfnis sind Einzel- und/oder Gruppensitzungen möglich. Die Massnahmen bestehen aus mehreren aufeinander folgenden Behandlungsblöcken (Sequenzen). Sie werden durch interne Teamprozesse und externe Audits regelmässig überprüft und angepasst.

Im Folgenden finden Sie eine Beschreibung der verschiedenen psychiatrischen und psychotherapeutischen Angebote des JuWe.
 

Ambulante Behandlungen

Die Ambulante Erwachsenenforensik (AEF) führt ambulante Massnahmen bei erwachsenen Inhaftierten durch, die ein Gericht angeordnet hat. Bei Bedarf und nach Möglichkeit behandelt das Fachpersonal auch verwahrte Insassen und freiwillige Klient*innen. Die Behandlungen bestehen im Normalfall aus Einzel- und Gruppentherapien. Dabei berücksichtigt die AEF individuelle Voraussetzungen und Bedürfnisse der Klient*innen.

Einzel- und Gruppentherapien

In der Einzeltherapie treffen sich Klient*in und Therapeut*in normalerweise einmal wöchentlich zum Gespräch unter vier Augen.

An den Gruppentherapien nehmen neben zwei bis drei Gruppentherapeut*innen meist vier bis acht Klient*innen teil.

Beispiele für Themen, die in den Therapien zur Sprache kommen, sind: die eigene Lebensgeschichte, persönliche Krisen, Deliktarbeit und aktuelle Themen.

Die Einzel- und Gruppentherapien bietet die AEF sowohl für Klient*innen in Haft als auch in Freiheit an. Inhaftierte Personen behandeln die Therapeut*innen in der Justizvollzugsanstalt. Für Klient*innen in Freiheit stehen Therapieräume im Gebäude von Justizvollzug und Wiedereingliederung zur Verfügung.

Die Behandlung führen nach Möglichkeit immer dieselben Fachpersonen durch. Das bedeutet, die Therapeut*innen begleiten ihre Klient*innen vom Beginn der Therapie bis zum Schluss. Die Behandlung beginnt in der Regel in Haft und endet meist nach einiger Zeit in Freiheit.

Stationäre Behandlungen

Die Stationäre Erwachsenenforensik (StEF) führt auf Anordnung eines Gerichts stationäre Massnahmen bei erwachsenen Inhaftierten durch. Zum Teil besteht die stationäre Therapie aus Einzel- und Gruppentherapien. Über weite Strecken begeben sich die Klienten aber in ein milieutherapeutisches Setting in einer extra dafür ausgestatteten Massnahmenstation der Forensisch-Psychiatrischen Abteilung (FPA).

Zunächst klären therapeutische Fachpersonen im Rahmen der therapeutischen Behandlung im allgemeinen geschlossenen Vollzug ab, ob die Klienten für ein milieutherapeutisches Setting geeignet sind. Wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind, wechseln die Insassen auf die FPA. Hier beschäftigen sie sich intensiv mit Fragen des Deliktgeschehens und der Deliktprävention. Die Klienten leben dabei in einer therapeutisch strukturierten Gemeinschaft. In diesem Setting unterstützen sie Mitarbeitende der FPA dabei, ihre sozialen Kompetenzen zu erhalten und zu erweitern und sich auf ein eigenverantwortliches deliktfreies Leben vorzubereiten.

Die stationäre Behandlung ist dadurch wesentlich intensiver als im ambulanten Bereich. Erfüllen die Klienten die Voraussetzungen, so können sie in den offenen Massahmenvollzug und später in ein Arbeitsexternat oder ein Arbeits- und Wohnexternat wechseln. Auch dort begeben sie sich in therapeutische Behandlung, allerdings verschieben sich die inhaltlichen Schwerpunkte.

In seltenen Fällen kann es sein, dass sich Klienten nicht für die Milieutherapie eignen. Dann erarbeitet die StEF individuelle Lösungen.

Behandlung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Jugendliche und junge Erwachsene von 16 bis 30 Jahren bilden die Klientel der Adoleszentenforensik (AF). Auf Anordnung eines Gerichts behandeln die therapeutischen Fachpersonen diese Klienten in Einzel- und Gruppentherapien sowie interdisziplinär geführten Lernprogrammen. Ihr Ziel ist es, die jugendlichen oder jungen erwachsenen Straftäter darin zu stärken, ihre Emotionen, Impulse und Handlungen zu steuern und Selbstverantwortung zu übernehmen. So soll das Risiko eines Rückfalls nachhaltig sinken. Damit verbunden ist eine weitere Funktion der AF: die legalprognostische Einschätzung der Klienten. Das bedeutet, dass Therapeut*innen abzuschätzen versuchen, wie wahrscheinlich eine weitere Straftat sein wird.

Das Team der AF behandelt gemeinsam mit dem Team des Massnahmenzentrums Uitikon (MZU) vor Ort. Zunächst durchlaufen die Klienten aber eine Vorbereitungsphase in einer anderen Einrichtung. Erfüllen sie die Voraussetzungen, nimmt sie anschliessend das MZU auf.

Im Massnahmenzentrum sind die Klienten neben den psychotherapeutischen Behandlungen auch in ein sozialpädagogisches, arbeitsagogisches und schulisches Konzept eingebunden. Im Zusammenspiel sollen diese pädagogischen Massnahmen, die deliktorientierte Therapie und die berufliche Ausbildung dafür sorgen, dass die Klienten weniger rückfällig werden und sich leichter wieder in die Gesellschaft eingliedern können.

Erreichen Insassen einen gewissen Behandlungsstand, so werden sie in offenere Settings versetzt; von der geschlossenen in die offene Abteilung weiter in die «Wohngruppe Austritt» und schliesslich ins Wohn- und/oder Arbeitsexternat. Wärend des gesamten Prozesses begleitet das Team der AF die Klienten therapeutisch.

Psychiatrische Angebote

Die Psychiatrische Forensik (PF) sorgt für die psychiatrische Behandlung von Klient*innen, die sich in rückfallpräventiven deliktorientierten Therapien befinden. Die Leitung der PF führt ausserdem die Funktionseinheit Therapeutische Eingangsabklärungen (TEA). Sie koordiniert auch die Zusammenarbeit mit der psychiatrischen Grundversorgung. Damit ist die Versorgung aller anderen inhaftierten Personen im Kanton Zürich gemeint. Die Grundversorgung wird durch die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich (PUK) bereitgestellt.

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