Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung

Aufnahme der Thurmündung aus der Luft.

Um das Zürcher Thurtal vor Überschwemmungen zu schützen, hat der Kanton Zürich die Thur in einem gross angelegten Projekt naturnah saniert. Die letzte Etappe wurde 2017 abgeschlossen. Das Resultat: ein befreiter Fluss, neue Lebensräume für die Natur, bessere Bedingungen für die Landwirtschaft, mehr Erlebnis für Erholungsuchende und mehr Sicherheit.

Inhaltsverzeichnis

Das Projekt

Die Thurauen sind das grösste Auengebiet des Schweizer Mittellandes – ein Biotop von nationaler Bedeutung. Für die Hochwassersicherheit in und um Ellikon am Rhein und Flaach ist die Baudirektion Kanton Zürich zuständig. Für die Renaturierung sorgt die Thur selbst.

Der fünf Kilometer lange Kanal entstand um 1860. Er führt die Thur ab Kleinandelfingen zum Rhein führte. Damals war es richtig, den Fluss so zu sichern. Heute nicht mehr: Die Sicherung des oberen Thurlaufs gegen Überschwemmungen brachte zusätzliches Wasser. Innovative Lösungen mussten gefunden werden, im Einklang mit dem Gesetz über Wasserbau und dem Gewässerschutzgesetz sowie den Verordnungen über Auenschutz und Belastungen des Bodens.

Um das Zürcher Thurtal vor Überschwemmungen zu schützen, hat der Kanton Zürich die Thur zwischen 1983 und 2005 in fünf Etappen naturnah saniert. 2008 kam mit dem Projekt «Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung» der sechste und letzte Abschnitt bis zur Mündung der Thur in den Rhein hinzu.

Ziele

Das Projekt bringt unterschiedliche Ziele in Einklang:

  • Die Gegend vor Hochwasser aus Thur und Rhein schützen;
  • Die Thurauen im Sinne der eidgenössischen Auenverordnung revitalisieren und neue Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen schaffen;
  • Die Produktionsbedingungen für die Landwirtschaft im Flaacherfeld verbessern;
  • Die Thurauen als Erholungsgebiet unter Entflechtung der Interessen von Mensch und Natur erhalten.

Umsetzung

Das AWEL setzte das Projekt «Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung» in zwei Etappen um. Die erste Etappe wurde im August 2011 abgeschlossen und gleichzeitig öffnete das Naturzentrum Thurauen. Die zweite Etappe vollendete der Kanton im Sommer 2017.

Auf einem Plan sind die Massnahmen in den Kategorien Hochwasserschutzmassnahmen, Renaturierung und Erholung eingezeichnet.
Die Massnahmen an der Thurmündung: Hochwasserschutz (rot), Renaturierung (blau) und Freizeiteinrichtungen zur Erholung (grün).

Hochwassersicherheit 

  1. In Ellikon am Rhein schützen feste und mobile Dämme (1) Hab und Gut vor Hochwasser.
  2. Zu einem späteren Zeitpunkt soll allenfalls auch das Ellikerfeld (2) durch einen rückversetzten
  3. Damm gesichert werden. Das Flaacherfeld ist zwischen Thurhof und Steubisallmend durch die Verstärkung und Erhöhung sowie den Neubau von Dämmen gegen Überflutungen geschützt (3).
  4. Die Gebiete Neugrüt (4) und Engihäuli (5) sind durch Erhöhung der Wege und Geländeanpassungen gegen Überflutungen durch die Thur abgesichert.
  5. Abgetragenes Material aus flussbaulichen Massnahmen an der Thur wurde auf Landwirtschaftsflächen des Flaacherfelds (6) aufgeschüttet – ähnlich wie der Fluss dies einst auf natürliche Weise tat. Rund 50 Hektaren Böden wurden mit Material aus den Thurauen aufgewertet.
  6. Die Massnahme verhindert ein Durchnässen der Böden durch Anstieg des Grundwassers bei Hochwasser. Zudem befördert ein neues Pumpwerk im Forspitz (7) einsickerndes Wasser in den Rhein zurück.

Renaturierung

Die Renaturierung der Thur hat eine einmalige Landschaft hervorgebracht. Einen Fluss in dieser Grösse, der sich seine natürliche Form laufend selber suchen und bilden kann, gibt es sonst schweizweit nirgends. Teiche, Magerwiesen, Auenwälder, Flachufer und Schwemmwiesen sind Biotope für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten. 

Das Projekt gibt dem Fluss seine ursprüngliche Dynamik zurück, ohne Siedlungen, Kulturland und Infrastruktur zu gefährden: Drei Aufweitungen (8) wurden ausgebaggert. Dadurch wird die Thur nach und nach wieder einen geschwungenen Lauf bilden (sogenannte Mäander) – mit einer naturnahen Flusssohle und Kiesbänken am Ufer. An den Ufern der Mäander entstehen Weichholzauen.


Der Wald von rund 300 Hektaren Fläche macht den Hauptteil des Projekts aus. Er wurde durch Auflichtung in den höheren, nie überfluteten Teilen ökologisch aufgewertet. Pflanzen und Tiere, die Trockenheit und Magerböden mögen, finden dort optimale Lebensräume. Der Wald wird durch den Wegfall der Uferdämme häufiger und auf grösseren Flächen überflutet, wodurch sich Feuchtbiotope bilden. Zudem wurden zusätzliche Auengewässer, Riedwiesen und Trockenstandorte angelegt (9).

Erholung

Der Mensch braucht Erholung. Darum hat die Zürcher Regierung beschlossen, die renaturierten Thurauen der Bevölkerung als Erholungsraum offen zu halten. Aber auch die Natur braucht Erholung. Das führt zu Zielkonflikten. Damit das Gebiet den Erholungssuchenden zugänglich bleibt, ohne dass die Natur darunter leidet, wurden sowohl Zonen für die Freizeitnutzung als auch Zonen, die der Natur vorbehalten bleiben, definiert. Es wurden entsprechende Einrichtungen erstellt und eine Schutzverordnung erlassen.

Das Erholungskonzept minimiert die Konflikte. Die bestehenden Parkplätze blieben erhalten, neue Freizeiteinrichtungen entstanden: Ein- und Auswasserungsmöglichkeiten für Boote (10), Rastplätze (11), Beobachtungsplattformen (12), Naturbeobachtungsplätze (13), ein Natur- und Besucherzentrum (14), Erlebniswege (15) sowie Badeplätze und Feuerstellen. Informationstafeln vermitteln entlang der Wege alles Wissenswerte über die Thurauen. 

Finanzierung

Die Finanzierung ist breit abgestützt. Die Gesamtkosten des Projekts «Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung» – das 2006 ohne Gegenstimme durch den Zürcher Kantonsrat bewilligt wurde – sind auf 53,6 Millionen Franken budgetiert. Von diesem Betrag gehen knapp 26 Millionen Franken zu Lasten des Kantons Zürich. Fast 9 Millionen Franken übernimmt die Kraftwerk Eglisau-Glattfelden AG (KWE) im Rahmen der neuen Konzession für das Kraftwerk. Die restlichen gut 18 Millionen Franken hat der Bund finanziert.

Meilensteine

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1978

Ein Thur-Hochwasser verursacht einen Dammbruch in Frauenfeld mit einer Schadensumme von rund 8,6 Mio. Franken an Gebäuden und Kulturland.

1980

1. Ausbauprojekt: Ein Sanierungsplan im technisch-rationalen Geist von damals findet keine Zustimmung und wird zurückgezogen.

1982

2. Ausbauprojekt: Zu wenig Akzeptanz, Teile der Bevölkerung wünschen weniger Ökologie. Das Projekt wird zurückgezogen.

1993

Motion Kantonsrat Richard Stucki: Der Regierungsrat soll in Zusammenarbeit mit den Anstössergemeinden und den Grundeigentümern in Anlehnung an die Auenverordnung des Bundes eine Kreditvorlage ausarbeiten. Dies u.a. mit folgenden Bedingungen: keine Überschreitung des vom Bund festgelegten Perimeters, Gewährleistung des Hochwasserschutzes für Kulturland ausserhalb des Perimeters, keine Beeinträchtigung der Qualität der Trinkwasserfassungen, weitgehende Beibehaltung der genutzten Landwirtschaftsflächen.

1999

  • Freigabe Projektierungskredit und Beginn der Projektierung.
  • Bildung einer Begleitkommission unter der Leitung von Prof. Dr. Walter Meier (Delegierter des Regierungsrates).
  • Ellikon am Rhein wird von einem Hochwasser überschwemmt. Grosse Schäden im Dorf und am umliegenden Kulturland.
Ein Haus in Ellikon am Rhein steht unter Wasser während des Hochwassers von 1999. Ein Mann steht bis zu den Knien im Wasser.
Überschwemmung in Ellikon am Rhein, 1999.

2002

Öffentliche Auflage des Projekts «Hochwasserschutz und Auenlandschaft Thurmündung».

2005

Der Regierungsrat setzt das Projekt mit Gesamtkosten von rund 52 Millionen Franken fest. Es geht kein einziger Rekurs ein.

2006

Der Kantonsrat genehmigt den Kreditantrag mit dem eindrücklichen Ergebnis von 164:0 Stimmen.

 2008 – 2011 

Hochwasserschutz für Ellikon am Rhein und das Flaacherfeld, Beobachtungs- und Erholungseinrichtungen sowie Revitalisierung der Thur und des Auengebiets westlich der Ellikerbrücke und bei Wolau, Bodenverbesserungen im Flaacherfeld, Bau Naturzentrum Thurauen, Einrichten Informations- und Orientierungssystem sowie Erlebnisweg. 

2012 – 2013

Ökologische Aufwertungen in den Gebieten Schöni, Schönigraben, Ellikon und Rhyhof.

Dokumentation «Die Thurauen im Wandel» - Etappe 1

Die Thurauen im Wandel - 1. Etappe (2005 -2011) Video-Dokumentation des Projekts «Hochwasserschutz und Auenmündung Thurmündung» von 2005 bis 2011.

2012 – 2017

Hochwasserschutz Eggrank, Engihäuli und Neugrüt, Beobachtungs- und Erholungseinrichtungen sowie Revitalisierung der Thur und des Auengebiets östlich der Ellikerbrücke, weitere landwirtschaftliche Bodenverbesserungen im Flaacherfeld.

Dokumentation «Die Thurauen im Wandel» - Etappe 2

Die Thurauen im Wandel - 2. Etappe (2012-2017) Video-Dokumentation des Projekts «Hochwasserschutz und Auenmündung Thurmündung», zweite Etappe von 2012 bis 2017.

Am 23. September 2017 wurde die 2. Etappe des Projektes «Hochwasserschutz & Auenlandschaft Thurmündung» im Rahmen einer offiziellen Feier eingeweiht. Bei schönem Wetter konnten geladene Gäste und Anwohnende ein Mittagessen auf der Altener-Brücke geniessen und im Anschluss auf einem Infoparcours die Auenlanschaft entdecken.

Ein langer Mittagstisch mit Gästen und Regierungsrat Markus Kägi während der Einweihung im September 2013.
Feierliche Einweihung der zweiten Etappe auf der Altener-Brücke.

Betrieb und Weiterentwicklung

Nach Abschluss des Projekts bleiben die Thurauen nicht sich selbst überlassen. Diverse Gremien nehmen Aufgaben in den Thurauen wahr – vom Betrieb über Information und Vermittlung bis zur fachlichen Mitwirkung und Beratung.

Betriebsgruppe 

Die vielseitigen Themen, die in diesem Gebiet berücksichtigt werden müssen, bedingen ein entsprechendes Fachwissen. Eine Betriebsgruppe koordiniert deshalb die Pflege und Unterhaltsmassnahmen im Auengebiet. Die Betriebsgruppe besteht aus Vertretern verschiedener Abteilungen der kantonalen Baudirektion: Abteilung Wasserbau, Abteilung Wald und Fachstelle Naturschutz. Zudem sind der Rangerdienst sowie die Leitung des Naturzentrums darin vertreten. Die AXPO ist auf der Konzessionsstrecke des Kraftwerks Eglisau-Glattfelden für den Gewässerunterhalt zuständig und deshalb ebenfalls Mitglied der Betriebsgruppe.

Naturzentrum Thurauen 

Im Rahmen eines Leistungsauftrags des Kantons Zürich übernimmt das Naturzentrum verschiedene Informationsaufgaben rund um die Thurauen. Dazu gehören u.a. der Betrieb der Ausstellung und die Durchführung von Führungen, die gern und häufig auch von Schulklassen gebucht werden. Die neueste Errungenschaft im Bereich Information ist die kostenlose Thurauen-App.

Führungen im Auengebiet

Das Naturzentrum Thurauen organisiert Führungen für Einzelpersonen und Gruppen. Informationen und Anmeldung via info@naturzentrum-thurauen.ch oder +41 52 355 15 55.

Naturzentrum Thurauen, Steubisallmend 2, 8416 Flaach
 

Rangerdienst

Auch das Pflichtenheft des Rangerdienstes basiert auf einem Leistungsauftrag des Kantons Zürich. Die Ranger geben Besucherinnen und Besuchern Auskunft über die Bedeutung und die Naturwerte des Schutzgebietes, kontrollieren Einrichtungen wie z.B. die Beobachtungsverstecke, Absperrungen und Tafeln und sorgen dafür, dass die Schutzvorschriften eingehalten werden.

Beurteilungsgremium

Die Baubewilligung hält fest, dass nach Projektabschluss ein Beurteilungsgremium gebildet wird, das die Weiterentwicklung der Thurauen überwacht, bei unerwünschten Entwicklungen über Massnahmen befindet und entsprechende Anträge an kantonale Behörden stellt. In dieser Gruppierung sind u.a. die Standortgemeinden, die Pro Thur, der landwirtschaftliche Bezirksverein und das Naturzentrum vertreten. Das Gremium ermöglicht die Einflussnahme der Betroffenen auf die Gebietsentwicklung. Es ist im Herbst 2018 erstmals zusammen gekommen.

Weiterführende Informationen

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Kontakt

Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft – Abteilung Wasserbau

Adresse

Walcheplatz 2
8090 Zürich
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Telefon

+41 43 259 32 24

Sekretariat


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