Hochwasserrückhalteraum Hegmatten Winterthur

Eine Luftaufnahme des Gebiets des Hochwasserrückhalts Hegmatten: Eine grüne, grosse Wiese mit ein paar vereinzelten Bäumen, daneben eine Wohnsiedlung.

Führt die Eulach Hochwasser, drohen im Winterthurer Stadtzentrum Überschwemmungen, die grosse Schäden verursachen können. Seit Frühling 2017 hält der Rückhalteraum Hegmatten mögliche Hochwasser zurück und reduziert so das Schadenpotenzial in der Innenstadt um bis zu 300 Millionen Franken.

Inhaltsverzeichnis

Das Projekt

In der Winterthurer Innenstadt verläuft die Eulach grösstenteils kanalisiert und unterirdisch. Führt sie extremes Hochwasser, bilden Brücken und Bachdurchlässe unter dem Areal Schleife, dem Zentrumsbereich und dem Hauptbahnhof ein Nadelöhr für die Wassermassen. Dann drohen Überschwemmungen im Stadtzentrum, die im Extremfall Schäden von bis zu 400 Millionen Franken verursachen können.

Seit Frühling 2017 hält der Rückhalteraum Hegmatten mögliche Hochwasser zurück – und reduziert so das Schadenpotenzial in der Innenstadt um bis zu 300 Millionen Franken. Die Kosten des Bauwerks betrugen rund 33 Millionen Franken, wobei rund 35 Prozent vom Bund übernommen wurden.

Übersichtsplan zum Projekt Hochwasserrückhalteraum Hegmatten, mit Visualisierung des Riedbachs und der Eulach
Übersichtsplan Hochwasserrückhalt Hegmatten.

Bewährtes Konzept am optimalen Ort

Das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) hat 2015 bis 2017 einen Hochwasserrückhalt im Raum Hegmatten (Oberwinterthur) realisiert. Über einen Zuflusskanal wird bei starkem Regen ein Teil des Hochwassers aus der Eulach in den Rückhalteraum geleitet. Nach Abklingen der Hochwasserspitze wird das Wasser verzögert über den Riedbach in die Eulach zurückgeleitet. Der Rückhalteraum liegt auf dem Gebiet des Segelflugfeldes und der Fussballplätze Hegmatten sowie auf angrenzendem Kulturland und fügt sich gut in die Landschaft ein.

Der Hochwasserrückhalt Hegmatten basiert auf dem Zusammenspiel von drei Elementen:

  • dem eigentlichen Rückhalteraum, in dem sich etwa alle 30 Jahre Wasser aufstaut;
  • dem neuen, unterirdischen Zuflusskanal, über den das Wasser in den Rückhalteraum gelangt;
  • dem Schwemmholzrückhalt in Elsau-Räterschen, der Treibgut zurückhalten soll.

Bis heute wurden im Kanton Zürich 20 Hochwasserrückhalteräume gebaut. Das Konzept ist erprobt und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt bewährt. 

Funktionsweise

Funktionsschema Hegmatten
Funktionsschema.

Unter der Rümikerstrasse in Oberwinterthur hat schon vor dem Bau des Hochwasserrückhalts Hegmatten ein unterirdischer Hochwasserentlastungskanal bestanden. Bei Extremereignissen gelangt neu rund die Hälfte des Hochwassers in diesem Kanal über ein Trennbauwerk und einen Zuflusskanal in den Rückhalteraum Hegmatten. Das im Rückhalteraum aufgestaute Wasser wird danach gedrosselt über den Riedbach wieder abgeleitet. Dies führt zu einer Dämpfung der Abflussspitze in der Eulach. Ein Schwemmholzrückhalt in Elsau-Räterschen hält Treibgut zurück, das an engen Stellen zu Verstopfungen führen könnte.

Die im Funktionsschema angegebenen Abflussmengen entsprechen einem Hochwasser, wie es alle hundert Jahre einmal zu erwarten ist. Die Wassermenge in der Eulach wird in diesem Fall um 19 Kubikmeter pro Sekunde oder rund 30 Prozent reduziert.

Die Visualisierung zeigt eine Luftaufnahme des Rückhalteraums Hegmatten bei Hochwasser.  Die grosse Wiese neben der Wohnsiedlung steht unter Wasser.
Die Visualisierung zeigt den Rückhalteraum Hegmatten bei Hochwasser. Quelle: nightnurse images GmbH

Der Rückhalteraum

Der Hochwasserrückhalteraum Hegmatten liegt auf dem Gebiet des Segelflugfeldes Hegmatten und der Fussballplätze sowie auf angrenzendem Kulturland. Begrenzt wird er auf der einen Seite durch einen neuen, begrünten Damm im Bereich des heutigen Riedbachs (Norddamm) und der Toggenburger Weiher (Süddamm). Der Norddamm hat beim Fussballplatz eine Höhe von maximal 2.5 Metern und bietet Zuschauern von Fussballspielen Sitzgelegenheiten. Auf der gegenüberliegenden Seite wird der Rückhalteraum durch das bestehende, ansteigende Gelände begrenzt, wodurch er sich ideal in die Landschaft einfügt.

Illustration des Hochwasserrückhalts Hegmatten mit nummerierten Markierungen von 1 bis 9.
Illustration des Hochwasserrückhalts Hegmatten.
  1. Begrünter Damm mit Tribüne: Beim Fussballplatz ist ein maximal 2,5 Meter hoher Damm mit Sitzgelegenheiten entstanden.
  2. Aufschüttung des Terrains: Der neue Hangar für Segelflugzeuge liegt rund 2 Meter höher, um eine Überflutung zu verhindern.
  3. Renaturierung des Riedbachs: Der zuvor kanalisierte Bach wurde auf die andere Seite des Flugfeldes in ein neues, naturnah gestaltetes Bett verlegt.
  4. Schutz für Landwirtschaftsgebäude: Der Schweinezuchtbetrieb wird von einem Erdwall geschützt.
  5. Zusätzliche Gewässer: Neu angelegte Weiher schaffen natürlichen Lebensraum für Tiere und Pflanzen.
  6. Bestehender Entlastungskanal: Führt die Eulach Hochwasser, gelangt es in den schon bestehenden, unterirdischen Hochwasserentlastungskanal unter der Rümikerstrasse.
  7. Aufteilen der Wassermassen: Im neuen Trennbauwerk im Entlastungskanal wird bei Extremereignissen ein Teil des Hochwassers abgezweigt.
  8. Zuflusskanal unter Wohnquartier: Über einen neuen, 390 Meter langen unterirdischen Zuflusskanal fliesst dieses Wasser dann in den Rückhalteraum.
  9. Bis zu dieser Linie würde ein Hochwasser zu stehen kommen, wie es statistisch etwa alle hundert Jahre auftritt – und innerhalb von 20 Stunden wieder abfliessen.

Der Zuflusskanal

Unter der Rümikerstrasse existierte schon vor dem Bau des Hochwasserrückhalts ein unterirdischer Hochwasserentlastungskanal. Bei Extremereignissen wird neu ein Teil des Hochwassers über ein neues Trennbauwerk aus diesem Kanal abgeleitet. Die Wassermassen gelangen von dort in einen neuen unterirdischen Zuflusskanal. Dieser ist 390 Meter lang und fünf Meter breit und mündet in der Nähe des Schlosses Hegi in den Rückhalteraum Hegmatten.

So funktioniert das Trennbauwerk

Visualisierung des Trennbauwerks mit bestehendem Hochwasserentlastungskanal und neuem Zuflusskanal.
Funktioniert wie der Überlauf im Waschbecken, nur die Dimensionen sind grösser: Das unterirdische Trennbauwerk wird 100 Meter lang und 30 Meter breit.

Führt die Eulach Hochwasser, gelangt es in den bestehenden, unterirdischen Hochwasserentlastungskanal unter der Rümikerstrasse. Das Trennbauwerk verbindet diesen Kanal mit dem neuen, ebenfalls unterirdischen Zuflusskanal zum Rückhalteraum. Das neue Trennbauwerk unter der Rümikerstrasse funktioniert dabei so einfach wie der Überlauf im Waschbecken zuhause. Steigt das Wasser im Entlastungskanal auf eine kritische Höhe an, schwappt es über die Trennwand in den Zuflusskanal. Damit reduziert sich bei extremen Hochwasserereignissen die Wassermenge, die Richtung Stadt fliesst.

Der Schwemmholzrückhalt

Die Funktionsweise des Schwemmholzrückhalts ist in einem Plan visualisiert: Je ein Schwemmholzrückhalt links und rechts im Lauf der Eulach halten Treibgut zurück.
Je ein Schwemmholzrückhalt links und rechts im S-förmigen Lauf der Eulach halten Treibgut zurück, das zur jeweiligen Kurvenaussenseite getragen wird.

Bei Hochwasser führen Flüsse und Bäche immer auch grosse Mengen an Treibgut, vor allem Schwemmholz, mit sich. An engen Stellen des Flussverlaufes kann dies zu Verstopfungen führen. Darum wurde in der Eulach in Elsau-Räterschen ein Schwemmholzrückhalt angelegt. Das Bauwerk ist seit August 2015 fertiggestellt. Es verhindert, dass der unterirdische Einlass in den Rückhalteraum verstopft und der Rückhalteraum dadurch wirkungslos wird.

Der Rückhalt besteht aus Pfählen, die senkrecht aus dem Fluss ragen, sowie aus Querverbindungen zwischen diesen Pfählen. Die Bilder unten zeigen den fertigen Schwemmholzrückhalt im Sommer 2015. 

Hochwasserschutz

Schadenpotenzial um 300 Millionen reduziert

Winterthur hat letztmals 1876 ein extremes Hochwasser erlebt. Bei einem solchen Ereignis, wie es statistisch gesehen alle 100 Jahre eintritt, müsste Winterthur heute mit Schäden von über 400 Millionen Franken rechnen. Vor allem Bewohner, Gewerbe und Infrastruktur in der Innenstadt wären davon stark betroffen.

Dank dem Hochwasserrückhalteraum Hegmatten wird dieses Schadenpotenzial im Stadtzentrum um rund 300 Millionen Franken verringert. Dieser massiven Reduktion stehen Projektkosten von rund 33 Millionen Franken gegenüber, von denen der Bund rund 35 Prozent übernommen hat. 

Natur und Erholung

Der Raum Hegmatten ist ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Bevölkerung von Winterthur. Durch den Bau des Hochwasserrückhalteraums hat das Gebiet eine Aufwertung für Mensch und Natur erfahren. 

Der bislang kanalisierte Riedbach wurde auf die andere Seite des Flugfeldes in ein neues, naturnah gestaltetes Bett verlegt. Zudem wurden in der Nähe des Schlosses Hegi neue Weiher angelegt. Diese bieten natürlichen Lebensraum für Tiere und Pflanzen und werten das Naherholungsgebiet Hegmatten auf. Auf dem begrünten Nord- und Süddamm verläuft ein Spazierweg. Im Bereich des Fussballplatzes wurden zudem Tribünenelemente für Zuschauerinnen und Zuschauer in den Norddamm eingebaut.

Entschädigung für Eigentümer

Es ist damit zu rechnen, dass sich nur alle rund 30 Jahre überhaupt Wasser im Rückhalteraum aufstauen wird. Dieser kann aber auch extremere Hochwasserspitzen auffangen, wie sie statistisch gesehen seltener als alle hundert Jahre auftreten.

Wird der Rückhaltraum überschwemmt, dürften die Schäden gering ausfallen. Für die bestehende Infrastruktur und den Landwirtschaftsbetrieb wurden Schutzmassnahmen getroffen, der Segelflugzeug-Hangar wurde an einen sicheren Ort verlegt. Kommt es dennoch zu Schäden oder Ernte- und Ertragsausfällen, werden die Betroffenen entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen entschädigt.

Zahlen und Fakten

  • Der begrünte Damm ist rund 1,4 Kilometer lang und überragt das Terrain beim Fussballplatz um etwa 2,5 Meter.
  • Der Querschnitt des 390 Meter langen Zuflusskanals zum Rückhaltebecken beträgt 5 mal 2,35 Meter.
  • Im Mittel nur alle 30 Jahre wird das Gebiet teilweise überschwemmt werden; voraussichtlich nur alle 100 Jahre dürfte sich der Rückhalteraum ganz füllen.
  • Das Wasser bleibt dann rund 20 Stunden lang liegen.
  • Rund 33 Millionen Franken kostete der Bau des Rückhalteraums Hegmatten.
  • 65 Prozent davon übernimmt der Kanton Zürich, die restlichen 35 Prozent der Bund.
  • Um 300 Millionen Franken oder 75 Prozent reduziert diese Investition das Schadenpotenzial für die Winterthurer Innenstadt bei einem Hochwasser, wie es etwa alle hundert Jahre zu befürchten ist.

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