Entlastungsstollen Thalwil

Standbild des Videos zum Entlastungsstollen Thalwil.
Der Entlastungsstollen Thalwil ist die langfristige Lösung der Hochwasserproblematik im Wirtschaftszentrum der Schweiz. Kurzfilm über den Entlastungsstollen Thalwil, ohne Text.

Das untere Sihltal und die Stadt Zürich sollen vor einem Extremhochwasser der Sihl geschützt werden. Als langfristige Lösung projektiert der Kanton Zürich einen Entlastungsstollen von der Sihl bei Langnau am Albis in den Zürichsee bei Thalwil. Der geplante Stollen ist rund zwei Kilometer lang und ermöglicht die Überleitung von Hochwasserspitzen der Sihl in den unteren Zürichsee.

Inhaltsverzeichnis

Schutz für Sihltal und Zürich

Der Entlastungsstollen würde das untere Sihltal und die Stadt Zürich vor einer Sihl­-Hochwasserspitze von bis zu 600 Kubikmetern pro Sekunde schützen. Das entspricht einem Extremhochwasser mit einer statistischen Eintretenswahrscheinlichkeit von einmal in 500 Jahren.

Kartenansicht der Linienführung des Entlastungsstollens von Langnau am Albis nach Thalwil.
Der geplante Stollen soll rund zwei Kilometer lang werden und einen Innendurchmesser von 6,6 Meter haben. Quelle: AWEL

Nur geringe Auswirkungen auf den Zürichseepegel

Im Rahmen der Planungsarbeiten wurden auch die Auswirkungen des durch den Stollen geleiteten Hochwassers auf den Zürichseepegel unter­sucht. Dabei zeigte sich, dass selbst die Umleitung extremer Sihl­-Hochwasserspitzen lediglich zu einem zusätzlichen An­stieg des Seespiegels um wenige Zentimeter führen würde. Dieser Anstieg kann ausgeglichen werden:

  • durch die geplante Erhöhung der Abflusskapazität der Limmat bei der Münster-­ und Rathausbrücke,
  • und die Ver­besserung der Steuerbarkeit des Platzspitzwehrs in der Stadt Zü­rich.  

Gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis

Die Kosten für den Entlastungsstollen werden auf 135 Millionen Franken geschätzt. Diese Investition des Kantons Zürich steht in einem sehr günstigen Verhältnis zum verhinderten Schadenswert: Bei einem Extremhochwasser der Sihl könnten alleine in der Stadt Zürich Schäden von bis zu 6,7 Milliarden Franken enstehen.

Rasche Realisierung angestrebt

Der Kanton Zürich treibt die Planung des Entlastungsstollens Thalwil voran, um das Hochwasserrisiko möglichst rasch zu reduzieren.

Die Projektfestsetzung durch den Regierungsrat ist für 2020 vorgesehen, die Krediterteilung durch den Kantonsrat im 2021. Die Bauzeit wird rund dreieinhalb Jahre betragen. Der Fertigstellungstermin ist vom weiteren Planungs- und vom Bauverlauf abhängig.

Der Hauptinstallationsplatz für die Bauarbeiten ist abseits des Sied­lungsgebiets im Sihltal beim Einlaufbauwerk vorgesehen. Der Stol­len soll von dort möglichst erschütterungsarm mit einer Tunnelbohr­maschine in Richtung Zürichsee vorgetrieben werden.

Ökologische Ersatzmassnahmen

Der Bau des Entlastungsstollen Thalwil wird mit grösst­möglicher Rücksicht auf die Umwelt geplant. Dazu gehört beispielsweise, dass ungefährliche kleine und mittlere Hochwasser weiterhin durch den Fluss strö­men sollen, ohne in den Stollen umgeleitet zu werden.

Trotzdem resultieren Auswirkungen auf die Umwelt, die eine gesetzliche Pflicht für ökologische Ersatzmassnah­men nach sich ziehen. Der Kanton Zürich plant, diese Pflicht durch Massnahmen an der Sihl unterhalb des Ein­laufbauwerks und am Zürichsee in Richterswil zu erfüllen.  

Kartenansicht des Stollenverlaufs und der Standorte für ökologische Massnahmen in Richterswil und Langnau am Albis.
Der Kanton Zürich plant Massnahmen an der Sihl unterhalb des Ein­laufbauwerks und am Zürichsee in Richterswil. Quelle: AWEL

Einlaufbauwerk

Die Hochwasserspitzen der Sihl sollen über ein automatisch re­guliertes Einlaufbauwerk unterhalb des neu erstellten Schwemmholzrechens bei Langnau am Albis entnommen werden.

Visualisierung des Einlaufbauwerks für den Entlastungsstollen Thalwil. Im Hintergrund sichtbar ist die schlitzförmige Öffnung, durch die das Hochwasser in den Stollen eintritt.
Bei der Gestaltung des Einlaufbauwerks wirkten Fachleute für Architektur und Landschaftsgestaltung mit. Im Hintergrund sichtbar ist die schlitzförmige Öffnung, durch die das Hochwasser in den Stollen eintritt. Quelle: AWEL

Luftgefüllte Schlauchwehre

Das Einlaufbauwerk weist zwei Wehrfelder mit fester Schwelle und aufgesetzten, luftgefüllten Schlauchwehren auf. Wenn die Pegelmessgeräte am Oberlauf der Sihl das Überschreiten der vordefinierten Pegelstände melden, wird die Luft in den Schlauchwehren automatisch schrittweise abgelassen.

Der Anspringpunkt ist bei einem Abfluss von 250 Kubikmetern pro Sekunde Wasser in der Sihl geplant. Ab dieser Was­sermenge würde Sihlwasser durch den Entlastungsstollen in den Zürichsee umgeleitet. Zum Vergleich: Beim Hochwasser 2005 betrug der maximale Abfluss in der Sihl 290 Kubikmeter pro Se­kunde.

Umleitung von Hochwasserspitzen

Sobald die Sihl oberhalb des Einlaufs mehr als 350 Kubikmeter Wasser pro Sekunde führt, werden die Schläuche komplett abgelegt. Bei einem Hochwasser mit einer Abflussmenge von 600 Kubikmetern pro Sekunde würden rund 330 Kubikmeter pro Sekunde durch den Stollen in den Zürichsee umgeleitet. Die ma­ximale Kapazität des Stollens würde rund 400 Kubikmeter pro Sekunde betragen. Nach heutigen Erkenntnissen würde etwa alle 20 Jahre Sihlwasser durch den Entlastungsstollen fliessen.  

Kaum sichtbares Bauwerk

Die Länge des Einlaufbauwerks beträgt rund 100 Meter. Nach seiner Fertigstellung werden an der Sihl vor allem noch die Tauch­wand und die mit einem Rechen versehene Einlauföffnung sicht­bar sein. Die sorgfältige Gestaltung der sichtbaren Teile des Bau­werks erfolgt in Zusammenarbeit mit Fachleuten für Architektur und Landschaftsgestaltung.  

Auslaufbauwerk

Das Auslaufbauwerk zur Einleitung der Hochwasserspitzen in den Zürichsee ist un­mittelbar nördlich der Abwasserreinigungsanlage (ARA) im Be­reich des Seebads Bürger 1 in Thalwil geplant.

Visualierung des Auslauf des Entlastungsstollens in Thalwil.
Visualisierung des Auslaufbauwerks: 8 Be-/Entlüftung, 9 Toskammer, 11 Rechteckkanal, 12 Mündungsbauwerk Quelle: AWEL

Unterquerung von Seestrasse und Bad

Der Entlastungsstollen mündet im Hang neben der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Thalwil ins Auslauf­bauwerk mit der sogenannten Toskammer. Danach unterquert es sowohl die Seestrasse als auch das Seebad Bürger 1 und mündet rund 90 Meter vom Seeufer entfernt etwa drei Meter unter der Wasser­oberfläche in den Zürichsee.

Wassergeschwindigkeit bremsen

Die Toskammer dient dazu, die Geschwindigkeitsenergie des aus dem Stollen eintreffenden Wassers zu reduzieren. Für die Belüftung und für die Abfuhr der durch den Stollen mittransportierten Luft ist ein Belüftungs-­ und Entlüftungsschacht oberhalb der Toskammer vorgesehen. Aus dieser wird das Wasser in einem Rechteckkanal aus Beton in Richtung See weitergeleitet.  

Einbettung in die Umgebung

Für die Planung des Auslaufwerks arbeiten der Kanton Zürich und die Gemeinde Thalwil eng zusammen. Ein gemeinsam er­arbeiteter «Masterplan Seeufer» nimmt eine sorgfältige Auslege­ordnung für die Umgebung des Auslaufbauwerks vor und sorgt für eine Gesamtsicht aller Interessen. Beim Auslaufbauwerk in Thalwil ist weiter zu gewährleisten, dass die See­strasse stets in beide Richtungen befahrbar bleibt.  

Ökologie

Ersatzmassnahmen Sihl

Die ökologischen Ersatzmassnahmen an der Sihl sind eine Kom­pensation für die Eingriffe beim Stolleneinlauf an der Sihl. Sie um­fassen einerseits den 1,5 Kilometer langen Sihlabschnitt zwischen dem Bahnhof Langnau­-Gattikon und der Wehrschwelle Garten­dörfli und andererseits einen Abschnitt des Gontenbachs an der Grenze von Langnau am Albis und Adliswil.

Die ökologischen Ersatzmassnahmen an der Sihl 

 

Kartenansicht der geplanten ökologischen Ersatzmassnahmen an der Sihl.
Die Massnahmen sollen sowohl der Natur zugute kommen als auch die Zugänglichkeit und den Erholungswert des Sihlufers für die Bevölkerung verbessern. Quelle: AWEL
  1. Ersatz der Wehrschwelle Gartendörfli durch eine fischgängige Rampe
  2. Verbesserung der Strömungs-­ und Wassertiefenvielfalt; Schaf­fen neuer, strukturreicher Lebensräume für Fische und Kleinlebewesen
  3. Schaffung eines neuen Seitengerinnes der Sihl als Lebens- und Rückzugsraum für Fische und andere Wasserlebewesen
  4. Aufhebung des Wanderwegs am rechten Flussufer auf einer Teilstrecke, Rückbau der Ufersicherungen; dies ermöglicht die Wiederentstehung des natürlichen Prallhangs mit Lebensraum für verschiedenste selten gewordene Tier- und Pflanzenarten
  5. Verzicht auf Unterhalt des Wanderwegs, langsamer Übergang in einen natürlichen Zustand
  6. Naturnahe Gestaltung und Verbesserung des Zugangs zum Sihlufer für die Bevölkerung
  7. Bau eines neuen Wanderwegs zur Verbesserung der Anbin­dung von Gattikon an den Bahnhof Langnau-­Gattikon
  8. Bau einer neuen Fussgängerbrücke bei der Spinnerei Langnau (Kompensation für die teilweise Aufhebung des Wanderwegs am rechten Sihlufer)
  9. Wiederherstellung der Fischgängigkeit im Gontenbach

Ersatzmassnahmen Richterswil

Am Zürichseeufer in Richterswil sind ökologische Ersatzmass­nahmen für den Bau des Auslaufbauwerks am Zürichsee in Thal­wil vorgesehen. Geplant ist, im Gebiet Garnhänki, seeseitig der Bahnlinie, die Uferbefestigung zu entfernen, das Ufer abzufla­chen und Schilf anzupflanzen. So soll sich dort wieder eine na­turnahe Uferlandschaft entwickeln.

Das Projekt beinhaltet auch Aufwertungen für die Bevölkerung. Die Aufenthaltszone bei der Bahnhofsunterführung wird mit Sitzbänken, Picknicktischen und einem Zugang zum Wasser ergänzt (Abtreppung/ Sitzstufen). Angrenzend an das Seebad werden neue Aufent­haltsmöglichkeiten mit Sitzbänken geschaffen. Der bestehende Seeuferweg wird etwas landeinwärts verlegt und für eine besse­re Aussicht leicht erhöht. An zwei Stellen sollen Plattformen Ein­blicke in das neue, naturnahe Flachufer ermöglichen.  

Luftaufnahme des Zürichseeufers bei Richterswil.
Die Visualisierung zeigt, wie das Seeufer in Richterswil nach der Umgestaltung aussehen würde. Quelle: AWEL

Weiterführende Informationen

Verwenden Sie die Akkordeon-Bedienelemente, um die Sichtbarkeit der jeweiligen Panels (unterhalb der Bedienelemente) umzuschalten.

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