Zeitnahe Daten zum Konkursgeschehen

Die COVID-Krise hat für weite Teile der Wirtschaft beispiellose Einschränkungen zur Folge. Um die negativen Konsequenzen abzufedern, haben Bund und Kantone verschiedene – teilweise befristete – Unterstützungsmassnahmen ergriffen. Weitere Massnahmen werden zurzeit diskutiert. Die Anzahl der Konkurseröffnungen ist dabei ein wichtiger Gradmesser für die Wirtschaftslage.

Die Erfassung der Firmenkonkurse ist Teil des Gesellschaftsmonitorings COVID-19 des Statistischen Amtes. Der Indikator basiert auf einer Auswertung der im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) veröffentlichten Meldungen. Weil zwischen der Eröffnung eines Konkursverfahrens durch ein Gericht und der Publikation im SHAB in der Regel nur wenige Arbeitstage verstreichen, geben die Indikatoren zeitnahe Auskunft über das regionale und gesamtschweizerische Konkursgeschehen nach Branchen. Die Visualisierung bereitet das Datenmaterial so auf, dass man sich rasch ein Bild von der aktuellen Situation machen kann.

Wie ist die Visualisierung zu lesen?

Der obere Teil der Visualisierung zeigt die kumulierte, d.h. aufsummierte Zahl der Konkurseröffnungen seit Jahresbeginn für die Jahre 2017 bis 2019 (blaue Kurven) und das angebrochene Jahr 2020 (rote Kurve). So kann das Konkursgeschehen im Gefolge der COVID-Krise mit den Vorjahren direkt verglichen und eingeordnet werden. Liegt die rote Linie zu einem bestimmten Zeitpunkt über den blauen, so ist die Zahl der Konkurseröffnungen im laufenden Jahr grösser als in den Vorjahren. Es kommen also mehr Firmen als üblich ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nach – was ein Indiz für verbreitete wirtschaftliche Probleme wäre.

Die Balkengrafik darunter zeigt, wann es dieses Jahr im Vergleich zum Durchschnitt der Referenzperiode 2017 bis 2019 mehr oder weniger Konkurse gegeben hat. Wird zum Beispiel für die Schweiz und alle Branchen am 12. November ein Wert von 14 angezeigt, gab es dieses Jahr zwischen dem 5. und 12. November 14 Konkurseröffnungen mehr als im gleichen Zeitraum der vergangenen drei Jahre im Mittel. Zu beachten ist, dass die Fallzahlen oft sehr tief sind, besonders bei gleichzeitiger Filterung der Konkurse nach Branche und Kanton. Dies sollte bei der Einschätzung der Situation berücksichtigt werden. Auch wenn es über einen längeren Zeitraum überdurchschnittlich viele Konkurse gibt, kann absolut betrachtet die Anzahl der Konkurse immer noch sehr tief sein.

Weniger Konkurse als in den Vorjahren

In der Liniengrafik gut erkennbar sind die gesetzlichen Betreibungsferien sieben Tage vor und sieben Tage nach Ostern, vom 15. bis zum 31. Juli, sowie sieben Tage vor und nach Weihnachten. Die Linien verlaufen als Folge davon jeweils horizontal, weil es fast keine Konkurse gibt. Ebenfalls deutlich sichtbar ist der vom Bundesrat dieses Jahr zusätzlich verhängte Betreibungsstopp vom 19. März bis 20. April, der teilweise von den Oster-Betreibungsferien überlagert wurde. Im Frühling 2020 stagnieren deshalb die kumulierten Konkurseröffnungen über einen längeren Zeitraum als in den Vorjahren.

Die Tatsache, dass auch in den Sommer- und Herbstmonaten in fast allen Kantonen und Branchen die Anzahl der Konkurseröffnungen unterdurchschnittlich blieb, ist möglicherweise auf die COVID-Überbrückungskredite sowie die tieferen Hürden für die Gewährung von Stundungen für kleinere und mittlere Unternehmen (COVID19-Stundung) zurückzuführen. Firmen, die aufgrund der Krise in einen finanziellen Engpass kamen, konnten mit der COVID19-Stundung erreichen, dass sie während maximal sechs Monaten für die meisten Forderungen nicht betrieben werden können (ausgenommen waren zum Beispiel Lohnforderungen). Die gesetzliche Grundlage hierfür ist seit 19. Oktober allerdings nicht mehr in Kraft. Unabhängig von der COVID-Krise ist jedoch die Gesamtdauer der provisorischen Nachlassstundung am 20. Oktober von bisher vier auf acht Monate verlängert worden, was die Eröffnungen eines Konkursverfahrens hinauszögern kann.

Das sollten Sie wissen, wenn Sie den Indikator beobachten

Die Angaben basieren auf einer Auswertung der im SHAB publizierten Meldungen. Abgerufen werden die Meldungen über eine Schnittstelle, die von der Moneyhouse AG betrieben wird. Das Datum bezieht sich auf die Publikation im SHAB, die im Normalfall mehrere Tage nach der Publikation in den kantonalen Handelsregistern erfolgt.

Erfasst wird die Zahl erstmaliger Konkursverfahrenseröffnungen gegen Firmen. Verfahrenseröffnungen aufgrund organisatorischer Mängel einer Firma (Art. 731b OR) werden nicht erfasst, weil diese nicht per se mit Zahlungsschwierigkeiten in Zusammenhang stehen. Da es keinen national gültigen Standard für die Erfassung und Kategorisierung von Meldungen über die Eröffnung eines Konkursverfahrens gibt, kommt ein mehrstufiges Filterverfahren zur Identifikation der relevanten Meldungen zum Einsatz, das u.a. auch auf einer Stichwortsuche basiert. Aufgrund von Unterschieden bei der Datenerhebung kann es zu Abweichungen von anderen Auswertungen zum Konkursgeschehen kommen. Wenn es zu nachträglichen Erfassungen in der Datenquelle kommt, sind rückwirkende Anpassungen der ausgewiesenen Werte die Folge.

Die ausgewiesenen Branchen entsprechen einer Auswahl von NOGA-Hauptabschnitten, wobei die Bezeichnungen vereinfacht sind. Weitere Information finden sich im Github-Repo.

Weiterführende Informationen

Verwenden Sie die Akkordeon-Bedienelemente, um die Sichtbarkeit der jeweiligen Panels (unterhalb der Bedienelemente) umzuschalten.

Basil Schläpfer

Datenaufbereitung und Analyse

basil.schlaepfer@statistik.ji.zh.ch
+41 43 259 75 39

Corinna Grobe

Visualisierung

corinna.grobe@statistik.ji.zh.ch
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