Einkaufen mit dem Velo

Lastenvelo mit vollen Einkaufstaschen

Für alltägliche Erledigungen ist das Velo eine nachhaltige Alternative zum Auto. Die Wegstrecken zum Einkauf weisen ideale Längen auf, um mit dem Velo bewältigt zu werden. Wir beleuchten die wirtschaftliche Bedeutung und die Potenziale des Veloverkehrs für den Einzelhandel.

Inhaltsverzeichnis

Detailhandel und Gemeinden profitieren

Wird vermehrt das Velo zur Erledigung der täglichen Dinge genutzt, bringt das Vorteile für den Detailhandel wie auch für die Gemeinden. Der beengte Lebensraum in den Kernzonen nimmt durch fahrenden wie ruhenden Autoverkehr stets zu. Wird der Flächendruck zu gross, weicht die motorisierte Kundschaft auf die Einkaufszentren ausserhalb der Ortskerne aus.

Gelingt es, die Bevölkerung zu alltäglicher Velo- oder E-Velonutzung zu bewegen, fördert dies die Belebung von Gemeinden und Kernzonen. Weniger Autoverkehr bedeutet mehr Bewegungsfreiheit und Sicherheit für Fuss- und Veloverkehr und somit eine höhere Aufenthaltsqualität. Dies wiederum trägt zu einem attraktiven, anregenden Einkaufsumfeld bei. Einzelhändler müssen dabei nicht den Verlust von Nachfragepotenzialen fürchten. Velofahrende wie auch Zufussgehende stellen eine kaufkräftige und dem lokalen Handel überaus treue Kundschaft dar.

Damit eine Verlagerung des Einkaufverkehrs stattfindet, muss jedoch einiges am Ist-Zustand verändert werden. Dies erfordert koordiniertes Vorgehen von Gemeinden und lokalem Einzelhandel.

Zahlen und Fakten aus dem Mikrozensus

Statistische Daten aus dem Mikrozensus 2015 zeigen, warum das Verlagerungspotenzial zugunsten des Veloverkehrs zum Einkaufen enorm gross ist.

  • Die Zürcher Bevölkerung legt im Schnitt 34,9 km pro Tag zurück. Rund 12% davon fallen auf die Distanz für Einkauf und Besorgungen, also etwas über 4 km.
  • Die Tagesdistanzen zum Einkauf nahmen seit 1994 mehr als 30% zu, von durchschnittlich 3,8 km auf 4,5 km.
  • An Samstagen steigen die Einkaufs-Distanzen, die zurückgelegt werden, auf 5,5 bis 8,3 km.
  • 70 % der Zürcher Haushalte besassen 2015 mindestens ein Auto, 70% ein Velo und rund 7% ein Elektrovelo mit Tretunterstützung bis 25 km/h oder 45 km/h – Tendenz steigend.
  • Von den durchschnittlich 34,9 km täglicher Verkehrswege wird etwa ein Kilometer mit dem Velo oder e-Bike zurückgelegt. Nur gerade 100 Meter davon fallen auf Einkaufswege mit dem Velo zurück.

Mit diesen Zahlen lässt sich das grosse Potenzial herauslesen. Die zum Einkauf zurückgelegten Strecken weisen ideale Längen auf, um mit dem Velo bewältigt zu werden. Darüber hinaus besitzen immer mehr Haushalte ein Velo oder Elektrovelo. Dazu kommen die sprunghaft steigenden Absätze bei Elektrovelos, Elektrolastenrädern und Alltagsvelos im Corona-Jahr 2020. Dennoch wird das Velo für Einkaufszwecke noch viel zu wenig genutzt.

Velofahrende sind häufige Kundschaft

Oft wird behauptet, dass velofahrende Kundschaft weniger einkauft als jene, die mit dem Auto ihre Kommissionen tätigt. Diese verbreitete Annahme wurde in mehreren Studien untersucht und der Zusammenhang widerlegt. Es konnte gezeigt werden, dass Velofahrende kaufkräftige und treue Kunden sind. Einzelhändler unterschätzen häufig den Anteil der Kunden, die mit dem Velo einkaufen. Velofahrende erledigen ihre Einkäufe lokal. Weil sie tendenziell kleinere Mengen kaufen, kommen sie umso häufiger in die Läden. Sie sind deshalb äusserst loyale Kunden, die wohnortnah oder auf dem Arbeitsweg ihre Besorgungen erledigen. Die häufigen Ladenbesuche stärken nicht nur die Kundenbindung, vielmehr bleibt auch die Wertschöpfung vor Ort und wird nicht in die peripheren Einkaufszentren getragen.

Velofahrende kaufen qualitätsbewusst ein

Velofahrende sind längst keine weniger wohlhabenden Kunden mehr, die sich kein Auto leisten könnten. Nach Ergebnissen einer in Kiel durchgeführten Kundenbefragung besitzen zwei Drittel, der mit dem Velo einkaufenden Kundschaft, auch ein Auto. Sie entscheiden sich bewusst für die Mobilität auf zwei Rädern. Velofahrende tätigen prozentual häufiger Einkäufe mit einem Warenwert über 100 Franken und kaufen mehr  hochwertige Produkte als andere Kundengruppen.

Einkaufen mit dem Velo – nachhaltig und lokal

Rahmenbedingungen schaffen

Damit das grosse Velopotenzial besser ausgeschöpft werden kann, braucht es geeignete Ramenbedingungen, die durch Gemeinden, Detailhandel, Gewerbe und Velo-Organisationen getragen werden müssen. Unter Umständen sind dafür wirtschaftliche, bauliche und planerische Anpassungen bei den Vorgaben erforderlich.

Velo-Erschliessung sicherstellen

Ein feinmaschiges Velonetz erschliesst die Einkaufsmöglichkeiten verkehrssicher, hindernisfrei und fahrend erreichbar (ohne Stufen und Trottoirkanten). Das Einzugsgebiet für velofahrende und zufussgehende Kundschaft und die Ausgestaltung geeigneter Infrastruktur im direkten Umfeld eines Ladens ist von entscheidender Bedeutung. Mit folgendem Fokus lässt sich der Veloanteil erhöhen:

  • die Anordnung der Eingänge und Zugänge
  • die Wegverbindungen innerhalb des Geländes
  • die Ausgestaltung der Wege bezüglich Breite, Belag, Ausstattung und Beleuchtung
  • der Witterungsschutz im Eingangsbereich und allenfalls entlang des Gebäude
  • der Zugang zu den Veloparkplätzen

Veloparkierung zur Verfügung stellen

Bei den Einkaufsmöglichkeiten stehen in Eingangsnähe qualitativ hochwertige, überdachte, beleuchtete und diebstahlsichere Veloparkierungsanlagen zur Verfügung. Im Idealfall stehen diese näher an den Eingängen als Autoparkplätze. Für Velos mit Anhänger, Lastenvelos oder Spezialvelos sollte ebenfalls Platz geschaffen werden. Beengte Platzverhältnisse und gestalterische Probleme im Zusammenhang mit einer Veloparkierungsanlage werden nicht gelöst, indem auf die Veloparkierung verzichtet wird. Velos werden in der Folge ohne System parkiert: auf Plätzen, Trottoirs und vor Eingängen. Ungeordnet parkierte und deshalb auch oft umgestürzte Velos sind störender als Velos an gut platzierten Anlehnbügeln oder Pfosten. Deshalb sind Veloparkplätze ohne Parkiersysteme zu vermeiden.

Der Bedarf an Veloabstellplätzen bei unterschiedlichen Einrichtungen für Dienstleistungen, Gewerbe und Verkauf kann mittels VSS Normen berechnet werden. Mehr Informationen dazu finden Sie auf unserer Seite Veloparkierung.

Positive Anreize

Der Detailhandel hat viele Möglichkeiten, mit Anreizen eine Willkommenskultur für velofahrende Kundschaft zu schaffen. Geschickte Kommunikations­mass­nahmen, gebrandete Wegweiser und im gleichen Stil folierte Parkieranlagen verbreiten Lokalkolorit. Auch Goodies, wie beispielsweise ein gebrandetes Velokörbli nach drei Einkäufen über 100 Franken, eingeleitet durch eine Aktionswoche mit Erlebnissen rund ums Velo für Jung bis Alt, werden von der Kundschaft durchaus positiv aufgenommen.

Schweizweit und über die Grenzen hinaus versuchen aktuell Geschäfte mit Städten und Gemeinden die Menschen zum Einkaufen mit dem Velo zu bewegen und die Hindernisse zu überwinden. Laden Sie gerne den vollständigen Bericht herunter. Für weiterführende Auskünfte stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Weiterführende Informationen

Verwenden Sie die Akkordeon-Bedienelemente, um die Sichtbarkeit der jeweiligen Panels (unterhalb der Bedienelemente) umzuschalten.

Kontakt

Amt für Mobilität – Koordinationsstelle Veloverkehr

Adresse

Neumühlequai 10
8090 Zürich
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