Elternbildungs-Newsletter Februar 2021

Digitales Elternbildungsprogramm, Angebote der Geschäftsstelle Elternbildung, Eltern in Trennung oder Scheidung, PaPodcast, Studien und vieles mehr im Elternbildungs-Newsletter vom Februar 2021.

Inhaltsverzeichnis

Liebe Leserin, lieber Leser

Ein Editorial im ersten Newsletter nach dem geschichtsträchtigen Jahr 2020 verleitet dazu, dieses Revue passieren zu lassen. Die Herausforderungen zu beschreiben. Dabei die Flexibilität von engagierten Personen zu loben. Wir machen es jedoch kurz und knapp: Vielen Dank für Ihren ausserordentlich Einsatz!

Nun blicken wir nach vorne: Wie geht es weiter? Bleibt’s digital? Oder zurück auf analog? Sicher ist wohl, frei nach Grönemeyer: «Bleibt alles anders»!

Anders wird auch unser Newsletter: mit einer neuen Rubrik «5 Fragen an …». 
Darin lassen wir Persönlichkeiten aus der Elternbildung und ihrem Umfeld zu Wort kommen. Den Auftakt macht der Amtschef des Amts für Jugend und Berufsberatung (AJB), André Woodtli.

Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre. 

Ihre Geschäftsstelle Elternbildung 

5 Fragen an ...

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André Woodtli

Amtschef Amt für Jugend und Berufsberatung (AJB)

André Woodtli hat das Lehrerseminar in Zug besucht und an der Universität Zürich Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft studiert. Er ist seit 2008 Chef Vorsteher des Amts für Jugend und Berufsberatung (AJB) des Kantons Zürich. Davor leitete er die Volksschulen in Cham und das Sozialpädagogische Zentrum Gfellergut in Zürich. Im Rahmen verschiedener Mandate engagiert er sich für Kinderrechte und Kindesschutz.

André Woodtli Potrait
  1. Als Vater gehören Sie zur Zielgruppe der Elternbildung. Wie sind Ihre persönlichen Erfahrungen damit?

    Mein persönliches Elternbildungsprogramm besteht aus Fachliteratur und Fachreferaten. Schliesslich habe ich auch einen Kurs in gewaltfreier Kommunikation (Marshall Rosenberg) besucht. Das alles hat mir viel gebracht. Aber ich bin natürlich überzeugt davon, dass meine wichtigsten Elternbildner meine beiden Jungs sind.

  2. Seit rund zwölf Jahren leiten Sie das AJB: Wie haben sich die Aufgaben des AJB in der Elternbildung in dieser Zeit verändert?

    Die Elternbildung im Kanton Zürich besteht ja aus einem vielfältigen Netz von Veranstaltern, Fachleuten und weiteren Akteuren. Mit der Geschäftsstelle Elternbildung im AJB wollen wir dieses Feld vor allem fachlich und organisatorisch unterstützen. In den letzten Jahren haben wir zudem eigene Elternbildungsangebote entwickelt, insbesondere für Zielgruppen, die wir in den kjz beraten und unterstützen. So gesehen haben wir die Elternbildung systematisch als Teil der Kinder- und Jugendhilfe etabliert.

  3. Viele Elternbildungsveranstaltungen wurden in den letzten «Corona-Monaten» abgesagt oder online durchgeführt. Wie denken Sie über diese Entwicklung?

    Tja, ein notwendiger Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie! Die Umstellungen auf Video finde ich grossartig. Aber ja: es braucht Elternbildung live! Denn je ernsthafter Eltern ihre Erziehungsfunktionen übernehmen, desto mehr müssen sie sich Unsicherheiten, Fragen und Selbstzweifeln stellen. Das heisst: Die Inanspruchnahme von Elternbildung ist nicht Ausdruck familienpädagogischer Ratlosigkeit, sondern vielmehr Ausdruck von Engagement, Interesse und Sorgfalt.

  4. Kindesschutz ist Ihnen ein zentrales Anliegen. Wo sehen Sie die Rolle der Elternbildung im Rahmen des Kindesschutzes?

    Eine ganz entscheidende Rolle für die praktische Kampagne zugunsten einer gewaltfreien Erziehung.

  5. Welche neuen Herausforderungen sehen Sie für sich als Vater und für Eltern allgemein in den nächsten Jahren?

    Ist es nicht so, dass die Erziehung der eigenen Kinder den Eltern – entwicklungsbedingt – laufend neue Herausforderungen liefert? Es bleibt ja immer dynamisch, instabil, neu. Ja, auch: ambivalent. Vielleicht hat das in der Tat zugenommen oder nimmt noch zu: Familienerziehung bedeutet Ambivalenzen auszuhalten.

In eigener Sache

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Digitales Elternbildungsprogramm im Kanton Zürich
Die Filter- und Suchmöglichkeiten im neuen digitalen Elternbildungsprogramm im Kanton Zürich.

Das AJB hat die Veranstaltungsdatenbank erneuert. Eltern können nun bei der Suche nach passenden Angeboten Such- und Filtermöglichkeiten nutzen.

Zum Elternbildungsprogramm

Ins neue Jahr dürfen wir mit dem neu gestalteten, mit Such- und Filterfunktionen ausgestatteten, digitalen Elternbildungsprogramm starten. Weiterhin werden dort auch alle Angebote ausgeschrieben, die Sie aus dem gedruckten Elternbildungsprogramm kennen. Auch andere Bereiche des AJB haben ihre Kalender erneuert. So werden beispielsweise auch die Angebote der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung neu präsentiert.

 

 Alle Angebote der GS EB im Überblick
Alle Angebote der GS EB im Überblick

Die Geschäftsstelle Elternbildung organisiert auch im kommenden Jahr einen kantonalen Elternbildungstag mit dem neuen Motto «Stark im Familienalltag». 

Bei den Kursen für Eltern sind weitere Neuentwicklungen geplant. Die etablierten Kurse «Startklar – Fit für den Kindergarten», «Deutsch für Eltern – Mein Kind und die Schule», «Lernort Familie 3+», «Fit for Family», «Eltern bleiben – Mein Kind im Zentrum» und «Einmal Vater – immer Vater» werden weiterhin angeboten – online oder vor  Ort, wie es die Situation erfordert.

Im Herbst findet wie gewohnt die kantonale Elternbildungsbörse statt. Der während des Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 eingeführte Stammtisch Elternbildung «Café Elsi» wird weitergeführt, ebenso der Elternbildungsapéro für Referentinnen, Referenten und Fachleute aus der Elternbildung.

Einen Überblick zu geplanten Kursen und Veranstaltungen der Geschäftsstelle Elternbildung finden Sie auf der neugestalteten Website. Dieser Überblick wird laufend aktualisiert.

Elternbildung aktuell

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Eine vierköpfige Familie sitzt am Esstisch.
Bis Ende Februar bietet «BettMUMMpfeli» jeden Dienstag und Donnerstag 30-minütige Info-Häppchen für einen entspannten Familienalltag. Quelle: iStock

Die Einschränkungen durch Corona, die Familien im Alltag seit Wochen begleiten und wohl auch noch lange begleiten werden, sind für Eltern und Kinder kräftezehrend. «elternbildung.ch» hat nun ein Angebot auf Facebook und LinkedIn geschaffen, das Eltern Ratschläge und Unterstützung für ihren Familienalltag bieten kann: das «BettMUMMpfeli».

Den ersten Lockdown im Frühling haben die Familien in der Schweiz mit vereinten Kräften und ausgeruht in Angriff genommen und auch mit Belastungen wie Homeschooling, Fernunterricht und den ausgefallenen Ferienreisen im Frühling noch gut überstanden. Seit die Corona-Infektionszahlen aber im Herbst wieder angezogen haben und sich der Bewegungsradius wieder spürbar verkleinert hat, wird der Corona-Koller in immer mehr Familien zum ständigen Begleiter. 

Jetzt sind auch die Festtage vorbei, die man vielleicht, wenn auch anders als gewohnt, zelebrieren und zum familiären Zusammenrücken nutzen konnte.

So manche Eltern fragen sich in diesen Tagen wohl, wie sie den Familienalltag in den kommenden Wochen gestalten sollen, damit den Kindern und ihnen selbst nicht das Dach auf den Kopf fällt und Konflikte zum Alltag werden.

Der Dachverband der Elternbildung in der Schweiz, «elternbildung.ch», hat ein neues Angebot ins Leben gerufen: das «BettMUMMpfeli» für Mütter und Väter. Es bietet jeden Dienstag- und Donnerstagabend auf Facebook und LinkedIn einen 30-minütigen Livestream zu unterschiedlichen Themen und Fragen rund ums Elternsein und den Familienalltag an. Hat man einmal ein Thema verpasst, ist das kein Problem: Alle Streams werden aufgezeichnet und können auch im Nachhinein angeschaut werden.

 

Eltern bleiben – mein Kind im Zentrum
Getrennte Eltern stehen vor vielen Herausforderungen.

Eltern in Trennung oder Scheidung stehen vor einigen Herausforderungen. Das eigene Leben muss neu sortiert werden, neben den eigenen müssen auch die Bedürfnisse der Kinder ernst genommen werden. Haben Sie mit Eltern in Trennung oder Scheidung zu tun, können diese Angebote unterstützen:

Eltern bleiben – mein Kind im Zentrum: In diesem Kurs, der von der Geschäftsstelle Elternbildung in Kooperation mit den Kinder- und Jugendzentren (kjz) im Kanton durchgeführt wird, erfahren Eltern, wie die Beziehung zum Kind positiv gestaltet werden kann. Es geht darum, wie der eigene Stress reduziert und wie der Kontakt zum anderen Elternteil zum Wohl der Kinder gestaltet werden kann. Die Kurse werden von professionellen Zweierteams (Mann und Frau) geleitet. Eltern nehmen in zwei verschiedenen Kursgruppen teil.

Neben den Angeboten der Geschäftsstelle Elternbildung gibt es weitere Kurse für getrennte Eltern. Eine Übersicht bietet auch das Elternbildungsprogramm.

Eltern in Trennung bleiben Eltern: Unter dieser Überschrift bietet das Amt für Jugend und Berufsberatung eine Übersicht der Angebote zum Thema Trennung und Scheidung. Es werden Beratungsangebote für Eltern, aber auch für Fachpersonen und Behördenmitglieder aufgezeigt.

Einen ausführlichen Einblick in verschiedene Thematiken und Herausforderungen zum Thema liefert der gut 40-minütige Talk der beiden Elternbildner Martin Gessler und Céline Schaub.

Das Online-Magazin des AJB fuerslebengut.ch beschäftigt sich in zwei Artikeln mit den Themen Scheidungskinder und die Corona-Krise und mit der Ferienplanung getrennter Eltern.

Einen kurzen, informativen Überblick zu Suchtmitteln liefern die «Factsheets» der kantonalen Suchtpräventionsstellen. Ganz aktuell: Infoblatt zum Thema «Medikamente als Drogen».

Werden rezeptpflichtige Medikamente wie Schmerz- und Hustenmittel ohne ärztliche Verschreibung konsumiert, entsteht eine erhöhte Suchtgefahr. Bei einer Kombination mit anderen Substanzen, können gefährliche Wechselwirkungen entstehen. Diese haben in der Vergangenheit auch zum Tod geführt. Die Suchtpräventionsstellen im Kanton Zürich informieren mit dem aktuellen Factsheet zu Risiken, geben Tipps für Eltern und benennen Beratungsstellen.

Die Materialien, die als PDF heruntergeladen oder kostenlos bestellt werden können, sind auf Deutsch und in vielen weiteren Sprachen erhältlich.

Eine Frau und ein kleines Mädchen sind im Kinderzimmer und spielen zusammen.
Beispiel einer Moderationskarte

Mit den neuen Moderationskarten zur Sprachentwicklung können Sie Eltern beraten, wie eine gute Sprachentwicklung der Kinder gelingt. Die Karten sind in verschiedenen Sprachen erhältlich.  

Wie kommt die Sprache zu den Kindern? Wie können Eltern und Fachleute die Sprachentwicklung der Kinder im Alltag unterstützen? Antworten auf diese Fragen geben 25 kurze Filme auf «Lerngelegenheiten für Kinder bis 4». Dazu gibt es neu Moderationskarten in verschiedenen Sprachen für die Leitung von Gesprächen, zum Beispiel für Femmes-Tische. Auf jeder Karte sind die passenden Filme per QR Code anwählbar. In wenigen Minuten veranschaulichen diese, welche sprachlichen Erfahrungen für Kinder in den ersten Lebensjahren und darüber hinaus bedeutsam sind. Sie zeigen anhand von alltäglichen Situationen, wie Kinder Sprachen erwerben und wie Erwachsene Gelegenheiten für sprachliche Bildungsprozesse erkennen und aufgreifen können.

Hinweis: Der Weiterbildungskoffer «Frühe Sprachbildung» der Berufsfachschule Winterthur liefert vielfältige Informationen und Materialien rund um das Thema Sprachentwicklung. Darin enthalten sind «Leitlinien zur Sprachbildung», «Hosentaschendialoge» und interessante Weiterbildungen.

PaPodcast
PAPodcast über den Familienalltag, die Vaterrolle und das Eltern-Sein.

Ein Neu-Papa und ein alter Hase unterhalten sich im PAPodcast über ihren Familienalltag, ihre Vaterrolle und das Eltern-Sein. Die lockeren Gespräche greifen Themen auf, die junge Eltern täglich beschäftigen und ergänzen so die Fachbeiträge und Expertentipps des Online-Magazins fuerslebengut.ch.


 

Aus der Wissenschaft

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Kinder schaffen Wissen
Kinder beteiligen sich aktiv an wissenschaftlichen Studien

Kinder schaffen Wissen ist eine internationale Plattform von mehreren Universitäten und Forschungseinrichtungen. Kinder und ihre Eltern können an verschiedenen Studien teilnehmen und zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn beitragen.  

Die Plattform «Kinder schaffen Wissen» listet unterschiedliche entwicklungspsychologische Studien auf, an denen Eltern mit ihren Kindern teilnehmen können. Diese sind zum Teil direkt auf der Plattform verfügbar, bei anderen Studien werden die Eltern nach vorheriger Absprache durch Forschende per Video-Konferenz kontaktiert. Teilnehmende Eltern erfahren vorab genau, um was es in der Studie geht und können dann abschliessend entscheiden, ob sie mit ihrem Kind teilnehmen möchten. Ziel der Studien ist, möglichst viel über die Entwicklung von Kindern zu erfahren, da «Kinder (…) die besten Lerner*innen der Welt (sind)».

Auf der Plattform sind laufend neue – nach Altersgruppen unterteilte – Studien verfügbar. Diese werden anschaulich vorgestellt und sind für Kinder möglichst spannend gestaltet. Aktuell gibt es Studien zur Wortschatzentwicklung, zur Entwicklung von Empathie, aber auch zum Familienleben während des Corona-Lockdowns und andere mehr.

Titelblatt der Studie
Zwei Studien untersuchen die Stimmung in Familien während des (Teil-)Lockdowns.

Eine Studie der Hochschule Luzern gibt Aufschluss zum Familienklima während des Lockdowns und der Zeit danach. Eine weitere Studie beschäftigt sich mit Bewältigungsstrategien von sozial belasteten Familien. 

Welche Auswirkungen haben die Corona-Situation und die (teilweisen) Lockdowns auf Familien und wie wirken sich die Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie aus? Kommt es vermehrt zu Fällen von häuslicher Gewalt? Wie gehen sozial belastete Familien mit der veränderten Situation um? Zwei aktuelle Studien befassen sich mit den Auswirkungen, den Herausforderungen und den Handlungsstrategien von Familien.

Studie der Hochschule Luzern

Die Hochschule Luzern hat im April 2020 eine Langzeitstudie zur Auswirkung des Lockdowns auf das Familienleben begonnen. Dabei werden Familienmitglieder befragt. Eine Teilnahme an der Studie ist möglich. Zusätzlich zu dieser Langzeitstudie wurden Erwachsene in einer repräsentativen Umfrage zum Familienklima während des Lockdowns und in der Zeit unmittelbar danach befragt. Die Befragung kommt zu folgenden Ergebnissen:

Familienklima

Häufiger von konflikthaften Klima berichteten Personen ohne Garten / Terrasse o.ä., mit finanziellen Schwierigkeiten und Personen, die während der Arbeit im Home-Office gleichzeitig Kinder betreuten. Reine Home-Office Tätigkeit hatte demnach keinen Einfluss auf das Familienklima.

Innerfamiliäre Gewalt

Gewalt erfahren: Häufiger bei Personen mit schwierigen finanziellen Verhältnissen, Personen die Angehörige pflegten oder Kinder während der Arbeit betreuten. Auch hier spielte es eine Rolle, ob die Befragten über einen Garten, eine Terrasse o. Ä. verfügten.

Gewalt ausgeübt: Gleiche Belastungsfaktoren wie Personen mit Gewalterfahrungen. Gewalt gegenüber anderen erwachsenen Familienmitgliedern gaben häufiger Personen an, die im Home-Office tätig waren. Weniger oft haben Personen gegenüber Kindern in der Familie Gewalt ausgeübt, wenn ein Garten o.ä. vorhanden ist.

Fazit und Ausblick

Auswirkungen der Massnahmen gegen die Covid19-Pandemie auf das Familienleben zeigen sich erst zeitversetzt. Eine abschliessende Beurteilung ist noch nicht möglich, da die Pandemie den (Familien)Alltag noch weiter prägen wird und vergleichbare Daten nicht vorliegen.

 

Studie «Einblick in die Lebenswelt sozial belasteter Familien während des Lockdowns»

In der Studie «Einblick in die Lebenswelt sozial belasteter Familien während des Lockdowns» werden Belastungen und Bewältigungsstrategien von Familien aufgezeigt, die durch die Programme Femmes/Männer-Tische, schritt:weise und ping:pong erreicht werden. In der Studie wurden Familien, aber auch Mitarbeitende der Angebote quantitativ und qualitativ befragt. Exemplarisch hier einige Zitate, welche die Ergebnisse der Studie gut beschreiben:

Wirksame Informationsvermittlung braucht persönlichen Kontakt und Vertrauen:

«Die Moderatorinnen waren in den Wochen des Lockdowns sehr gefragte Persönlichkeiten. Dass der Austausch in ihrer Erstsprache stattfinden konnte, war natürlich ein wesentlicher Aspekt, damit die Informationen auch wirklich verstanden werden konnten.» (Femmes-Tische-Standortleiterin)

Erfolgreiche digitale Kommunikation folgt den Gewohnheiten und Möglichkeiten der Zielgruppe:

«Es war uns ein grosses Anliegen, dass wir mit den Familien in Kontakt bleiben. Die Hausbesuche haben wir via Whatsapp durchgeführt. Wir haben mit Videos gearbeitet, damit die Kinder die Hausbesucherin sehen konnten.» (schritt:weise-Koordinatorin)

Niederschwellige Angebote müssen auch in Krisenzeiten für die Familien zugänglich bleiben:

«Die Eltern haben gesehen, dass wir uns wirklich für sie engagieren. Dafür waren sie sehr dankbar. Obwohl die Gruppentreffen ausgefallen sind, kannten mich die Eltern noch und hatten Vertrauen zu mir. Ich habe Lieder mit der Ukulele begleitet und aufgenommen. Diese habe ich dann den Familien über Whatsapp geschickt. Das kam sehr gut bei ihnen an. Die Kinder haben die Lieder für die Gruppentreffen geübt. Zum Teil haben sie diese auch am Telefon den Hausbesucherinnen vorgesungen.» (schritt:weise-Koordinatorin)

Niederschwellige Angebote brauchen etablierte Strukturen, damit sie in Krisenzeiten funktionieren:

«Nachdem ich letzte Weihnachten in Brasilien meine kranke Mutter besuchte und wegen Corona nicht mehr zurückkehren konnte, erhielt ich weiterhin Anrufe von Femmes-Tische-Frauen aus der Schweiz. Ich realisierte, wie schlecht es um ihre psychische Gesundheit stand, wie viele arbeitslos waren, die Kinder aus dem Haus und sich einsam fühlten. So führte ich die Femmes-Tische-Gespräche einfach online weiter. Dank der Zeitverschiebung riefen mich die Frauen an, bevor sie schlafen gingen, wir sprachen über ihre Ängste, übers Sterben, ich gab Tipps, wo sie Hilfe finden können. Und sie fühlten sich durch mich in ihrer Heimat Brasilien vertreten.» (Femmes-Tische-Moderatorin)

Future Skills
Skills der Zukunft: Vor welchen Herausforderungen stehen Kinder und Jugendliche?

«Skills der Zukunft» für Kinder und Jugendliche: Diesem spannenden Thema widmete sich eine Studie der Jacobs Foundation ebenso wie der vergangene Elternbildungsapéro der Geschäftsstelle Elternbildung.

In der Studie «Future Skills» der Jacobs Foundation wird versucht, «vier Szenarien für morgen und was man dafür können muss» zu skizzieren. Es werden mögliche Wege vom Jahr 2020 bis 2050 beschrieben. Die Studie möchte zeigen, was Kinder und Jugendliche lernen müssen, um sich im jeweiligen (teilweise düsteren) Szenario zurecht zu finden. Ebenso versucht die Studie zu eruieren, was Schule dafür vermitteln muss.

Die Studie liest sich sehr flüssig und anschaulich. Sie schliesst mit folgenden Fähigkeiten, die in den skizzierten Szenarien zentral sind. (Und vielleicht heute schon sind? Anm. Geschäftsstelle Elternbildung)

Vorteile:

  • Grundlagenwissen: Kinder und Jugendliche sollten selbstständig in der Lage sein, sich Wissen anzueignen. Dinge auswendig zu lernen, wird überflüssig. Trotzdem ist ein gewisses Grundlagenwissen notwendig, da daraus die Fähigkeit entsteht, zu eruieren, was man noch nicht weiss. Zentral benennt die Studie «Verständnis von Demokratie», «Wirtschaft», «Umwelt» und «Technologie».
  • Wissensaneignung und Verarbeitung: Lernen, wie die Informationsflut gefiltert, verarbeitet und in Wichtiges und Glaubwürdiges unterteilt werden kann. Zentral benennt die Studie die Fähigkeit, wissenschaftliche Aufsätze lesen und Informationen aus Statistiken verarbeiten zu können.
  • Selbstkompetenzen: Kinder und Jugendliche müssen lernen, aus eigenem Antrieb zu lernen und daraus eigene Ziele zu definieren. Zentral benennt die Studie die Fähigkeit, eigene Gefühle, Bedürfnisse und Interessen zu reflektieren. Dies ist nötig, um sich klar zu machen, was die wirklich eigenen sind und welche übernommen wurden.
  • Neue Ideen: Als wichtigste Zukunftsfähigkeit benennt die Studie Kreativität, Fantasie und Entwicklung von Ideen, wie die Welt besser sein könnte.
  • Gemeinschaftswerte: Zentral ist die Bereitschaft, sich für und in der Gemeinschaft zu engagieren, ob in Freiwilligenarbeit, Politik oder im Beruf. Ebenso die Fähigkeit Verantwortung auch für kommende Generationen zu übernehmen. Wichtig dafür sei das Vertrauen, dass auch andere sich engagieren.
  • Wirksamkeit: Entscheidungsfreudigkeit, ein Gefühl von Selbstwirksamkeit und Vertrauen in die eigenen Kompetenzen werden neben Durchhaltevermögen und dem Mut, Fehler zu machen, benannt.
  • Umsetzung: Kinder und Jugendliche müssen lernen, Ziele auch durch Umdeutung von Problemen zu lösen. Wieder wird hier Kreativität explizit genannt, um Ziele auch über Umwege erreichen zu können.
  • Sozialkompetenzen: Kompromisse finden, eigene Ideen vermitteln, dabei aber auch Konsens mittragen zu können sind entscheidende Faktoren. Geduld und Durchhaltevermögen gehören ebenso dazu wie eine gute Kommunikation.

Einem ähnlichen Thema hat sich der diesjährige «Elternbildungsapéro» der Geschäftsstelle Elternbildung gewidmet. In einem Interview hat Prof. Dr. Kerstin Wagner von der FH Chur ein anschauliches Zukunftsbild gezeichnet. Dabei müssen die digitalen Technologien mit analogen Fähigkeiten verbunden werden. Auf ihrer Website stellt sie dafür auch weiterführende Literatur zur Verfügung. 
 

Bücher, Publikationen, Links

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mini-handbuch Moderation
So verfeinern Sie Ihre Moderationstechniken.

Leon Houf, Rüdiger Funk, Alexander Zoll, Beltz, 2020
ISBN 978-3-407-36731-0

Der Online-Zug im (Weiter-)Bildungsbereich hat im Jahr 2020 tüchtig Fahrt aufgenommen. Ein handlicher Ratgeber vereint nun die wichtigsten Moderationstechniken, Neues aus der Entscheidungsforschung und agile Methoden.

Zunächst werden die Grundlagen und Abläufe von Moderationen beschrieben, welche im Idealfall zielführend, strukturierend, anregend und aktiv integrierend sind. Zentral ist die Haltung des «Steuerns und koordinierenden Anleitens», im Unterschied zur klassischen Sitzungsleitung. Mit der Digitalisierung sind neue Formen der Zusammenarbeit und schnellen Informationsverarbeitung möglich. Geeignete Rahmenbedingungen und das Formulieren zentraler Arbeitsfragen sind aber auch hier das A&O.

Die Buchmitte wird der digitalen Moderation und ihren Chancen und Risiken gewidmet. Zur klassischen Telefonkonferenz ist sie eine wertvolle Erweiterung und Weiterentwicklung. Es lohnt sich genau zu prüfen, wann sich analoge oder digitale Verfahren eignen bzw. einen Mix in der Konzeption herzustellen. Zudem empfiehlt sich eine gute Heranführung durch die Moderierenden an (neue) digitale Verfahren. Mit den rasanten Entwicklungen im Bereich digitaler Tools wird ein stetiges up to date  allerdings auch für Experten kaum möglich sein.

Vorteile digitaler Methoden: Schnelligkeit, Anonymität, gute Ökobilanz, Zeit- und Kosten-ersparnis, Agilität, Flexibilität, Gruppengrösse, Dokumentation, Integration zugeschalteter Expertinnen und Experten. Mögliche Risiken: technische Probleme, Ablenkung, eingeschränkte Aufmerksamkeit, Gruppenwahrnehmung und Interaktivität

Des Weiteren werden drei agile Moderationsformate aus der IT-Praxis genauer vorgestellt, welche zielorientiert mit unmittelbarer Wirkung, hoher Selbstverantwortung und Selbstorganisation funktionieren.

Der letzte Teil befasst sich mit der Veranstaltungs-moderation – dem Brückenbau zwischen Expertinnen/Experten und Publikum. Neben sorgfältiger Vorbereitung braucht es hier Auftrittskompetenz, einen vertrauten Umgang mit dem Inhalt und einen roten Faden, um komplexe Abläufe mit Tools und digitalen Möglichkeiten steuern zu können.

Übersichtliche Checklisten, der Werkzeug- und Prozesskoffer sowie (Web-)Quellen im Anhang dienen als geeignete Arbeitshilfen und Zusammenfassung. Im Werkzeugkoffer werden wichtigste Moderationsverfahren vorgestellt. Sie sind auch online verfügbar.

Zusammenfassend: Bildung trifft Technologie Kompakt auf 190 Seiten ein praktischer Begleiter im Zeitalter von Online-Anlässen. Liegt auch als E-Book vor.

  • Zeit für Empathie, Mona Kino, Beltz, 2020
    ISBN 978-3-407-86590-8
  • Jungen und Pubertät, Reinhard Winter, Beltz, 2020, 
    ISBN 978-3-407-86642-4
  • Praxisbuch Adoption, Kerstin Haury, Sigrid Loerke,  Jürgen Stapelmann, Heike Zimmerling, Juventa, 2020, 
    ISBN 978-3-7799-6225-0
  • Raus aus der Mental Load Falle, Patricia Cammarata, Beltz, 2020, 
    ISBN 978-3-407-86632-5
  • Handbuch Häusliche Gewalt, Melanie Büttner, Schattauer, 2020, 
    ISBN 978-3-608-40045-8
  • Bindungsstörungen, Karl-Heinz Brisch, Klett Cotta, 2020, 
    ISBN 978-3-608-94532-4
  • Ererbte Wunden erkennen, Katharina Drexler, Klett Cotta, 2020,
    ISBN 978-3-608-86129-7
  • Das einzig wahre Schwangerschafts-Handbuch, Emily Oster, Piper, 2020, ISBN 978-3-492-31663-7
  • Jedes Kind darf glücklich sein, Maren Hoff, GU, 2020, 
    ISBN 978-3-8338-7278-5
  • Bilderbuch: Baby ist da,  Danielle Graf, Katja Seide,  Günther Jakobs, Beltz und Gelberg, 2020, 
    ISBN 978-3-407-75808-8

Fachvorträge, Weiterbildungen, Tagungen

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Die zweitägige Fachtagung «Beziehung und Interaktion» bietet Vorträge zu den Themen Sprache und Sprachentwicklung von Kindern und in der Familie. Teilnehmende können zusätzlich aus neun verschiedenen Workshops wählen.

26.-27. März 2021
Zürich 

Elternarbeit ist ein wichtiger Bestandteil der Schulsozialarbeit und eine anspruchsvolle Aufgabe. Der Kurs vermittelt Wissen und Kompetenzen in der Elternbildung und Elternberatung.  

8. April 2021
Zürich

In diesem virtuellen Weiterbildungskurs lernen die Teilnehmenden, wie sie ihre eigenen Webinare abwechslungsreich, interaktiv und lebendig gestalten können. 

27. August 2021, 9-12 Uhr
17. September 2021, 9-11 Uhr
30. September 2021, 14-17 

Online-Durchführung

 

Der nächste Durchgang zur Ausbildung zur STEP-Kursleitung in Zürich startet im September. Die Teilnehmenden erhalten alle notwendigen Kenntnisse, um zukünftig selbstständig STEP-Elternkurse leiten zu können.
Voraussetzung für eine Teilnahme ist eine abgeschlossene Ausbildung im pädagogischen, psychologischen, sozialen oder medizinischen Bereich.

 

Grundmodul 1: 22.-25. September 2021
Grundmodul 2: 17.-19. November 2021
Zürich

 

Zertifizierte Kursleitungen dürfen selbstständig Elternkurse unter dem Namen «Starke Eltern – Starke Kinder®» anbieten und durchführen.

In der Ausbildung zur SESK-Kursleitung erfahren die Teilnehmenden, wie das Modell der anleitenden Erziehung vermittelt werden kann und wie die positiven Erziehungsleistungen von Müttern und Vätern gestärkt werden können.

24.-25. September 2021
29.-30. November 2021
Zürich

«Interaktion und Bindung in den ersten Lebensjahren» 

Der Kongress richtet sich an alle Fachpersonen, die mit Familien mit Kindern im Baby- und Kleinkindalter arbeiten. Das Ziel des Kongresses ist es, die Grundlagen der Interaktions- und Bindungsentwicklung von den ersten Monaten bis zum Einschulungsalter aufzuzeigen. Ebenso werden diesbezügliche Probleme auf kindlicher und elterlicher Seite aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen vorgestellt und Interventionsansätze vermittelt. 

Die ursprünglich im Frühling 2020 geplante Veranstaltung wurde aufgrund der Covid19-Situation auf Juni 2021 verschoben. Zudem wird die Veranstaltung nun als Hybrid-Veranstaltung durchgeführt, sodass eine Teilnahme auch online möglich ist. 

3.-4. Juni 2021
Köln / Online

 

Kontakt

Amt für Jugend und Berufsberatung – Geschäftsstelle Elternbildung

Adresse

Siewerdtstrasse 105
8090 Zürich
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