Teilhabe

Fotografie des Publikums beim Ballett für Alle 2019 des Opernhauses Zürich

Die Demokratie ist darauf angewiesen, dass sich möglichst viele Individuen und Gruppen an der Gestaltung der Gesellschaft beteiligen. Die Direktion der Justiz und des Innern (JI) initiiert und unterstützt Projekte, welche die Teilhabe fördern.

Inhaltsverzeichnis

Teilhabe hat viele Gesichter

Die Direktion JI befasst sich auf ganz unterschiedlichen Feldern mit ein und demselben Thema: der Teilhabe. Dieser Begriff steht je nach Zusammenhang beispielsweise für

  •  «zum Mitmachen motivieren» (Politik),
  • den Versuch, möglichst verschiedene gesellschaftliche Gruppen anzusprechen (Kultur),
  • oder für die Idee, zusammenzubringen, was vermeintlich unvereinbar und fremd ist (Integration/Gleichstellung/Religion).

Unter dem breiten Begriff der Teilhabe verfolgt die Direktion JI verschiedene Ziele: Mit Blick auf das Individuum soll Teilhabe dazu führen, dass sich die Menschen im Kanton Zürich dazugehörig, gehört oder zumindest nicht abgehängt fühlen. Mit Blick auf die Gesamtgesellschaft soll Teilhabe verschiedene Formen des Zusammenhalts und des Engagements fördern, indem sie Formen des Ausdrucks und Orte des Austausches findet. Dabei ist festzuhalten: Ein wesentlicher Teil der Arbeit in allen Direktionen dient bereits heute der Teilhabe. Am deutlichsten zeigt sich das wohl im Bereich der Volksschule.

 Jacqueline Fehr., Regierungsrätin.

«Teilhabe heisst, nicht für die Menschen, sondern mit den Menschen Politik zu machen.»

Jacqueline Fehr, Regierungsrätin

Ein Staat der sich verändert, ist auf Teilhabe angewiesen

Die Gesellschaft entwickelt sich auch im Kanton Zürich rasant. Zu starken Veränderungen führen unter anderem zunehmend komplexer werdende gesellschaftliche Vorgänge. Die Digitalisierung macht dies gut erkennbar. So zeigt sich etwa bei globalisierten Prozessen wie der Wirtschaft oder dem Klima, wie eng die Welt vernetzt ist. Veränderungen bringen aber auch die steigende Mobilität oder die zunehmende kulturelle, sprachliche und religiöse Vielfalt. Neue Gemeinschaften innerhalb der Gesellschaft entstehen, andere verlieren an Bedeutung und drohen zu verschwinden.

In einer sich laufend fortentwickelnden Gesellschaft ist es unabdingbar, dass sich Menschen freiwillig für die Gemeinschaft engagieren und Interesse am gegenseitigen Austausch zeigen. Gerade ein demokratisch verfasster Staat ist darauf angewiesen, dass sich möglichst viele Individuen und Gruppen als Teil eines grösseren Ganzen wahrnehmen. Ein breiter Austausch und eine aktive Teilnahme unterschiedlichster Gemeinschaften am öffentlichen Leben, bilden die Grundlage unseres Staates.

Der Regierungsrat hat darum dem Thema Teilhabe zwei Ziele der laufenden Legislatur (2019 – 2022) gewidmet:

  • In Legislaturziel 3 heisst es: «Alle Menschen können an der Zivilgesellschaft partizipieren.»
  • Und Legislaturziel 5 hält fest: « Alle Bevölkerungsgruppen sind in eine vielfältiger werdende Gesellschaft eingebunden.»

Der Regierungsrat stellt also ins Zentrum seiner Politik die Frage, wie wir möglichst alle Menschen an der Gestaltung unseres Lebens, unserer Gesellschaft, unserer Zukunft teilhaben lassen können.

Fotografie einer Probe für das Theaterstück «Töchter Europas» des Maxim Theaters.
Das Recht auf kulturelle Teilhabe für alle Bevölkerungsmitglieder bedingt neue Formen von Kulturarbeit. Das MAXIM Theater hat sich der Aufgabe verschrieben, solche neuen Formen zu schaffen. Quelle: MAXIM Theater

Der Staat gibt nicht vor – er moderiert

Der Staat ist Teil eines Netzwerkes mit der Zivilgesellschaft. In diesem hat er die Rolle eines Moderators, er handelt vorbeugend und er begünstigt Kooperation. Der Staat weiss nicht besser als andere gesellschaftliche Akteure, in welche Richtung sich die Gesellschaft entwickelt. Der Staat macht darum auch nicht Angebote für Menschen, sondern er entwickelt diese Angebote zusammen mit den Menschen. Und das dort, wo sich Menschen von der Gemeinschaft lossagen, wo einzelne das Tempo der Veränderungen nicht mitgehen können oder aus kulturellen oder wirtschaftlichen Gründen kaum Chancen haben, dazuzugehören.

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist Teilhabe:

Vorteile:

  • Teilhabe heisst, politisches und soziales Engagement auch im Einzelnen zu stärken und diesem
    eine Plattform zu geben.
  • Teilhabe heisst, den Zugang zu Kultur und Kunst offen zu halten, wie auch ganz allgemein den Zugang zu staatlichen oder staatlich unterstützten Leistungen.
  • Teilhabe heisst, die Vielfalt auch ins Recht zu fassen – Stichwort Ehe für alle. Stichwort Klärung des Verhältnisses des Staates zu den Religionsgemeinschaften.
  • Teilhabe heisst, den wirtschaftlichen Profit gerecht zu verteilen.
  • Teilhabe heisst, unseren Lebensraum partizipativ zu gestalten.
  • Und Teilhabe heisst auch, unsere Stimm- und Wahlrechte den gesellschaftlichen Entwicklungen anzupassen.

So stärken wir unsere Gesellschaft. Uns so stärken wir
die Vielfalt als Grundlage unserer Gesellschaft.

Praktisch setzt die Direktion JI die Teilhabe-Ziele des Regierungsrates auf drei verschiedenen Feldern um:

Verwenden Sie die Akkordeon-Bedienelemente, um die Sichtbarkeit der jeweiligen Panels (unterhalb der Bedienelemente) umzuschalten.

Die Direktion JI ist in engem Austausch mit den staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften. Religion stellt seit jeher eine Ressource dar, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt. Ein besonderes Augenmerk der Arbeit der Direktion JI liegt gegenwärtig auf den wachsenden, staatlich nicht anerkannten Religionsgemeinschaften, zum Beispiel den muslimischen oder den christlich-orthodoxen. Auch sie tragen wesentlich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei. Gegenwärtig weisen die Dachverbände beider Religionsgemeinschaften organisatorische Defizite auf und können diese Funktion nicht in vollem Ausmass wahrnehmen. Hier sowie bei der Weiterbildung religiöser Betreuungspersonen bestehen Ansätze für eine staatliche Unterstützung.  

Die Gemeinden sind das Rückgrat unserer Demokratie. Die Gemeinden sind der Ort, wo das Vertrauen zwischen den Bürgerinnen und Bürgern und der Politik entsteht. Wenn wir in der Schweiz keinen Graben kennen zwischen sogenannter politischer Elite und dem Volk, ist das sehr wesentlich den Gemeinden zu verdanken. Gerade die Gemeinden stehen vor grossen Herausforderungen. Die Milizarbeit ist unter Druck. Die fordernde Arbeitswelt und ein attraktives Freizeitangebot führen dazu, dass der Milizgedanke schwindet.

Auch hier sind Antworten gesucht. Wie finden Gemeinden auch in Zukunft engagierte Bewohnerinnen und Bewohner, die das Rückgrat der Demokratie funktionsfähig und attraktiv halten? Wie lassen sich die Angebote der Verwaltung kundenfreundlich und einfach zugänglich zur Verfügung stellen? Diesen Fragen widmen sich Arbeitsgruppen mit Vertretungen von Gemeinden und Kanton unter dem Projekttitel «Gemeinden 2030».

Ein drittes Feld, auf dem die Direktion JI die Teilhabe im Sinne des Regierungsrates fördert, ist die Kultur: Ziel ist es, möglichst vielfältige Gruppen und Menschen im kulturellen Austausch zusammenzubringen. Kultur schafft Identität, Zugehörigkeit und Gemeinschaft und ermöglicht den Brückenschlag zwischen Generationen, Traditionen und Kulturen. Wer am kulturellen Leben teilnimmt, wird sich seiner kulturellen Prägung bewusst, bringt sich ein, gestaltet mit.

Die Fachstelle Kultur aus der Direktion JI fördert die Teilhabe praktisch, indem sie seit 2017 jährlich Anerkennungsbeiträge für die Förderung der kulturellen Teilhabe vergibt. Ausserdem sensibilisiert sie in den bestehenden kulturellen Institutionen für das Thema Teilhabe. Der Staat unterstützt damit Ideen, die ganz unterschiedlichen Zielgruppen den Zugang zum kulturellen Leben ermöglichen. Verschiedenste Menschen sollen am künstlerischen Prozess teilhaben und dazu animiert werden, selber kreativ tätig zu sein.
 

Dazu kommen weitere Projekte zur Förderung der Teilhabe in den Bereichen Gleichstellung und Integration. Im Zentrum steht der Diskriminierungsschutz. Menschen vor Diskriminierung zu schützen, ist eine wichtige Voraussetzung, um Chancengleichheit und damit eine echte Teilhabe an unserer Gesellschaft zu erreichen. Studien zur Schweiz belegen, dass ethnisch-kulturelle Diskriminierung von bestimmten Personengruppen in unterschiedlichen Lebensbereichen weiterhin besteht. Namentlich stellte man diese in den Bereichen Bildung, Arbeit, Wohnraum und Gesundheit sowie im öffentlichen Raum fest. Teilhabe heisst deshalb auch: Die Diskriminierung bekämpfen und strukturelle und individuelle Hürden abbauen. Damit stellen wir sicher, dass beim Zugang zu Gütern, Dienstleistungen, Wohnraum und Arbeit alle die gleichen Chancen haben.

Portrait von Claudia Flütsch, künstlerische Leiterin des MAXIM Theaters in Zürich

«Kulturelle Teilhabe heisst für das MAXIM Theater «Kunst für Alle» und meint damit soziale Öffnung, Mitsprache und Anerkennung künstlerischer Bildung als einen Teil von Allgemeinbildung, der für alle zugänglich sein muss.»

Claudia Flütsch, Geschäftsleiterin MAXIM Theater Zürich

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