Schule & Bildung

Obligatorische Ausbildung & Sekundarstufe 2

Über 70 Prozent des Zürcher Stimmvolks haben vor einigen Jahren Ja gesagt zu einem neuen Volksschulgesetz, das die Schulen des Kantons Zürich nachhaltig verändert hat. So ist zum Beispiel der Besuch des Kindergartens seit dem Schuljahr 2008/09 obligatorisch - womit sich die obligatorische Schulpflicht im Kanton Zürich von neun auf elf Jahre verlängerte. Auch verpflichtet das Gesetz die Gemeinden, bis zum Schuljahr 2010/11 Tagesstrukturen für alle Schülerinnen und Schüler zu schaffen. Dazu gehören Tagesschulen, Blockzeiten, Horte, Kinderkrippen, Schülerclubs, Mittagstische oder Tagesfamilien. Die Angebote sind kommunal unterschiedlich und vor allem in den grösseren Gemeinden bereits heute gut ausgebaut. Die Tagesstrukturen lassen sich modulartig wählen und sind kostenpflichtig. Der von den Eltern zu bezahlende Betrag hängt von ihrem Einkommen ab, so dass wirklich alle Schülerinnen und Schüler daran teilhaben können.

Zu den ausserschulischen Bildungsangeboten gehören im Kanton Zürich auch die Leistungen der Jugendhilfe und Berufsberatung. Es sind Leistungen in den Bereichen Mütter- und Erziehungsberatung, Alimentenhilfe und Stipendien, sowie Unterstützungsangebote im Berufswahlprozess und bei der Laufbahnberatung.

Sprachenvielfalt

Der Deutschunterricht beginnt schon in der ersten Primarklasse. In der zweiten Klasse kommt Englisch hinzu, und ab der fünften Primarklasse der Französischunterricht. Fremdsprachigen Kindern und Jugendlichen offerieren die öffentlichen Schulen den Anfangsunterricht Deutsch als Zweitsprache (DaZ), damit sie dem Unterricht besser folgen können. In der Stadt Zürich besuchen fremdsprachige Kinder nach ihrer Ankunft in der Schweiz zunächst eine separate Einschulungsklasse. Dort lernen sie Deutsch und werden gleichzeitig in die neuen Lebensumstände eingeführt.

Weichenstellungen

Im Verlaufe der Schulzeit müssen immer wieder Weichen gestellt werden. Zum Beispiel: Wie geht es weiter nach sechs Jahren Primarschule? Sekundarschule oder Langgymnasium? Oder Übertritt ins sogenannte Kurzgymnasium nach der zweiten oder dritten Sekundarklasse?

Im Rahmen der Neugestaltung des dritten Sekundarschuljahres absolvieren alle Schülerinnen und Schüler einen computergestützten Test. Dieser dient als Grundlage für die gezielte individuelle Förderung der fachlichen Kompetenzen der Jugendlichen im Hinblick auf weiterführende Schulen oder die Berufswahl. Denn im Kanton Zürich beginnen jedes Jahr über 40000 Jugendliche nach Abschluss der Sekundarschule eine zwei- bis vierjährige Berufslehre; den Abschluss bildet je nach Art und Dauer der Ausbildung ein eidgenössisches Berufsattest oder ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis. Damit die Lehrbetriebe besser beurteilen können, ob sich Bewerbende für eine Lehrstelle eignen, erarbeiten die Sekundarschülerinnen und -schüler neu ein sogenanntes Berufswahl-, Bewerbungs- und Abschlussportfolio.

Während oder nach der Lehre kann die Berufsmaturität erlangt werden; sie ermöglicht den Besuch einer Höheren Fachschule oder einer Fachhochschule. Ebenfalls zur Berufsmaturität führt der Besuch einer Fachmittel-, Informatikmittel- oder Handelsmittelschule. Voraussetzung für ein Studium an der Universität Zürich oder an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) ist eine eidgenössische Maturität. Diese kann entweder am Gymnasium oder auf dem zweiten Bildungsweg an der kantonalen Maturitätsschule für Erwachsene erlangt werden.

Der Kanton führt folgende Maturitätsausbildungsgänge:

  • Langgymnasium, Dauer 6 Jahre
  • Kurzgymnasium, 4 Jahre
  • Liceo Artistico, 5 Jahre
  • Kunst- und Sportgymnasium, 7/5 Jahre
  • Kantonale Maturitätsschule für Erwachsene (KME)
  • Handelsmittelschule (HMS), 4 Jahre, inkl. 1 Praxisjahr
  • Informatikmittelschule (IMS), 4 Jahre, inkl. 1 Praxisjahr
  • Fachmittelschule (FMS), 3 Jahre, mit Fachmaturität 4 Jahre

An den meisten Kurz- und Langgymnasien werden zusätzlich die Ausbildungsgänge zweisprachige Maturität (Deutsch/Englisch, Deutsch/Französisch) angeboten. Das Liceo Artistico bietet den Ausbildungsgang Deutsch/Italienisch an.