Frühmittelalterlicher Friedhof in Fehraltorf ausgegraben

14.01.2016 - Medienmitteilung

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Skelett einer Frau. Im Grab lag beim linken Bein eine Tasche mit bronzerner Zierscheibe als Beigabe.

In Fehraltorf haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kantonsarchäologie bei einer Rettungsgrabung 57 Gräber aus dem Frühmittelalter freigelegt. Die Bestatteten lagen über 1300 Jahre in der Erde – mit ihnen Schmuck, Waffen und Gebrauchsgegenstände als Grabbeigaben.

1928 wurden in Fehraltorf beim Bau eines Hauses oberhalb der Kemptaler-Strasse Gräber aus dem 7. Jahrhundert n.Chr. mit Grabbeigaben entdeckt. 2016 werden auf der nördlich angrenzenden Parzelle drei Mehrfamilienhäuser als letzter Teil der seit 2009 errichteten Überbauung «Im Berg» erstellt. Deshalb führte die Kantonsarchäologie im August 2015 erste Sondierungen durch, wobei sechs Gräber entdeckt wurden. Bei der anschliessenden Rettungsgrabung, die vom 12. Oktober bis 18. Dezember 2015 dauerte, kamen auf einer Fläche von über 1500 Quadratmetern 57 Gräber mit Beigaben zum Vorschein.  

Beisetzung in Kleidern und mit persönlicher Ausrüstung

Wie im Frühmittelalter üblich, lagen die Gräber in relativ regelmässigen Reihen. Bei den Bestatteten handelt es sich – soweit bislang bekannt – um etwa gleichviele Frauen wie Männer. Die Verstorbenen wurden in ihrer Kleidung und mit persönlicher Ausrüstung beigesetzt. Dazu zählen Schwerter, Gürtelschnallen, Taschen mit Werkzeug und Schmuck. Die Funde lassen sich zeitlich vor allem ins 7. Jahrhundert einordnen. Eine Wurf-Axt und eine Lanzenspitze stammen noch aus dem 6. Jahrhundert.

Aus den Funden lassen sich verschiedene Rückschlüsse ziehen. Ein Frauengrab wies beispielsweise rund 100 Glas- und Bernsteinperlen einer Halskette auf. Bernsteinperlen zeugen von überregionalem Handel. Besonders reich ausgestattet war das Grab einer Frau, die am Ende des 6. Jahrhunderts verstarb. Prunkstück ihrer Kleidung ist eine Fibel (Brosche), die einen Umhang verschloss. Die Fibel weist ein Dekor mit Edelsteinen (Granat) und Filigrandraht auf. Solche Goldschmiedearbeiten wurden von spezialisierten Handwerkern in den Zentren des fränkischen Merowingerreichs hergestellt. Die Funde werden im Labor analysiert und restauriert. Wie erste Untersuchungen ergaben, haften am Rost der Metallgegenstände auch Textilreste. Sie ermöglichen nach sorgfältiger Untersuchung Rückschlüsse auf die damaligen Kleider.

Zeugen eines Herrschaftswechsels

Die Gräber des 6. Jahrhunderts sind Zeugen eines Herrschaftswechsels. In den 530er-Jahren wurde die Nordschweiz Teil des Merowingerreichs. Angehörige der fränkischen Oberschicht sicherten mit ihrer Gefolgschaft wichtige Strassenverbindungen und zentrale Orte. Fehraltorf liegt an der alten Römerstrasse, die vom römischen Kempraten über Wetzikon-Kempten und Irgenhausen nach Oberwinterthur (Vitudurum) führte. Aufgabe der in Fehraltorf angesiedelten Krieger war unter anderem die Kontrolle der Verkehrsachse.  

(Medienmitteilung der Baudirektion)

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