Wohnbedürfnisse im Alter: Räumliche Auswirkungen im Kanton Zürich

14.12.2012 - Medienmitteilung

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Eine Studie des Amts für Raumentwicklung untersucht erstmals auf empirischer Basis, welche Auswirkungen der demographische Wandel auf die Wohnbedürfnisse der älteren Generationen im Kanton Zürich hat. Die Studie zeigt, dass die künftigen älteren Personen eher bereit sind, im Hinblick auf das Alter nochmals umzuziehen. Für Gemeinden und Städte bestehen Anreize, die Wohnmobilität im Alter und damit die bedürfnisgerechte Nutzung des Wohnraums zu fördern.

Die demographischen Entwicklungen haben im Kanton Zürich einen grundlegenden Wandel der Altersstruktur zur Folge. Mit den Babyboomern (Jahrgänge 1943-1963) treten in den nächsten Jahrzenten geburtenstarke Jahrgänge mit veränderten Lebensstilen und Möglichkeiten ins Rentenalter. Bisher fehlten fundierte Erkenntnisse zu den Ansprüchen der bisherigen und der künftigen älteren Generationen an ihren Wohnraum und zu ihrer Umzugsbereitschaft. Das Amt für Raumentwicklung hat deshalb vom Büro Zimraum Raum + Gesellschaft eine breit gefächerte Grundlagenstudie erarbeiten lassen, welche auf einer repräsentativen Befragung sowie diversen bestehenden Datenbeständen basiert. Regierungspräsident Markus Kägi und Kantonsplaner Wilhelm Natrup präsentierten heute die Erkenntnisse aus der Studie «Wohnbedürfnisse und Wohnmobilität im Alter».

Gründe für erfolgte Umzüge im Alter

Bereits heute zeichnen sich Unterschiede zwischen den Generationen ab. Die Vorkriegsgeneration (Jahrgänge vor 1942) gibt im Rückblick häufiger an, im Alter kleineren oder günstigeren Wohnraum gesucht zu haben oder wegen einer Mietvertragskündigung umgezogen zu sein. Wer von den bereits älteren Babyboomern umgezogen ist, hebt dagegen die Verbesserung der Wohnqualität hervor, sei dies eine zentralere Lage, eine schönere Wohnung oder der Erwerb einer Eigentumswohnung.

Ältere Menschen ziehen bevorzugt in Städte und gut erschlossene Gemeinden

In der Stadt und in der Agglomeration ist die Umzugsbereitschaft unter den älteren Menschen generell höher als auf dem Land. Ältere Städter möchten bei einem Umzug meistens in der Stadt bleiben. Wer sich auf dem Land oder in der Agglomeration für einen Umzug im Alter entscheidet, sucht hingegen häufiger eine Wohnung in einer gut oder besser erschlossenen oder ausgestatteten Nachbarsgemeinde.

Etwa 14 Prozent der Umzugswilligen können sich den Umzug in die Stadt Winterthur oder Zürich vorstellen, wo sie vor der Familiengründung studiert oder eine Ausbildung gemacht haben. Es handelt sich vorwiegend um Babyboomer, die kurz vor der Pensionierung stehen. Viele Ältere aus der Vorkriegsgeneration und jene, die über soziale Netzwerke oder Engagements lokal verwurzelt sind, bevorzugen hingegen einen Umzug innerhalb der Gemeinde, sofern ein adäquates Wohnungsangebot vorhanden ist.

Ältere Menschen haben hohe Ansprüche an ihren künftigen Wohnraum

Ältere Personen entscheiden beim Umzug sehr überlegt. Sie wählen gute Standorte und berücksichtigen dabei sowohl die Wohnungsqualität als auch das Quartierumfeld. Nicht alle Wohnlagen in einer Gemeinde oder Stadt sind aus dieser Perspektive altersgerecht. Künftig wird es mehr alleinstehende Ältere geben. Im ländlichen Raum fehlt oftmals ein Angebot an modernen Kleinwohnungen, das sich an den Bedürfnissen von Älteren orientiert. Umzüge innerhalb der Gemeinde sind so kaum möglich.

Der städtische Raum bietet dagegen mit seinem vielfältigen Versorgungs-, Kultur- und Freizeitangebot ein ideales Umfeld zum Älterwerden. Auf dem Wohnungsmarkt treten ältere Menschen aber in Konkurrenz zu Jungen und Erwerbstätigen, mit denen sie sich messen müssen. Gleichzeitig haben ältere Städter kaum Anreize, zu grossen, aber günstigen Wohnraum für eine bedürfnisgerechtere Wohnform zu verlassen.

Wo Gemeinden und Immobilienwirtschaft handeln können, um Wohnmobilität zu fördern

Die Studie zeigt für Gemeinden und Immobilienwirtschaft differenzierte Möglichkeiten auf, wie sie die Wohnmobilität der älteren Generationen fördern können. Dies liegt nicht allein im Interesse der umzugsbereiten Personen. Wenn ältere Personen aus grossen Einfamilienhäusern in kleinere Wohnungen umziehen, reduziert dies den Wohnflächenverbrauch pro Kopf. Junge Familien erhalten eine Chance auf ein Familienhaus und ältere Personen entledigen sich eines aufwändig zu führenden Haushalts mit viel Umschwung. Der Alltag wird vereinfacht. Damit kann der Umzug in ein Alters- oder Pflegeheim vermieden oder zumindest deutlich hinausgezögert werden. Gerade für ländliche Gemeinden und grössere Städte liegt hier ein Schlüssel zur Gemeinde- und Stadtentwicklung.

Das Amt für Raumentwicklung unterstützt die Gemeinden dabei, die Wohnmobilität im Alter zu fördern. Dazu wird es das grundlegende Wissen zu diesem Thema vertiefen, den regional unterschiedlichen Handlungsbedarf aufzeigen und gute Beispiele bereitstellen.

(Medienmitteilung der Baudirektion)

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