Auswirkungen der Zuwanderung auf Zürcher Arbeits- und Wohnungsmarkt

14.09.2012 - Medienmitteilung

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Zwei neue Studien über die Einflussfaktoren der Zuwanderung auf den Arbeits- und Wohnungsmarkt im Kanton Zürich differenzieren gängige Vorstellungen: Die hoch qualifizierten Zuwanderer treiben die Preise auf dem Wohnungsmarkt zwar tatsächlich in die Höhe, sie sind aber auch diejenigen, welche die gestiegenen Preise zum grössten Teil bezahlen müssen. Eher überraschend ist auch das Ergebnis, dass Zuwanderinnen und Zuwanderer nicht in erster Linie eine Arbeitsstelle in Zürich antreten, weil in ihrem Herkunftsland die Situation schwierig ist. Zürcher Unternehmen werben diese häufig aktiv an wegen dem Fachkräftemangel. Insgesamt kommt es durch die Zuwanderung in den Kanton Zürich zu keinen wesentlichen Verdrängungseffekten auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt.

Der Zuwanderung werden oft negative Effekte wie steigende Immobilienpreise und Mieten, überfüllte S-Bahnen oder eine härtere Konkurrenz am Arbeitsplatz zugeschrieben. Bisher war wenig bekannt über die tatsächlichen Einflussfaktoren der Zuwanderung auf den Arbeits- und Wohnungsmarkt im Raum Zürich. Zwei vom Amt für Wirtschaft und Arbeit in Auftrag gegebene Studien geben erstmals ein differenzierteres Bild über die Zuwanderung in den Kanton Zürich.

Fachkräftemangel als Motor der Zuwanderung

Das Büro Bass untersuchte die wichtigsten Einflussfaktoren für die Immigration in den Kanton Zürich aus Sicht von Unternehmen und neu zugewanderten Arbeitnehmenden. Die Arbeitsmigration von Hochqualifizierten ist der treibende Faktor der Zuwanderung in den Kanton Zürich. 70 Prozent der Zuzügerinnen und Zuzüger kommen wegen einer Erwerbstätigkeit nach Zürich oder als Familiennachzug solcher Zuzüger. Bei dieser Arbeitsmigration nehmen die Zürcher Unternehmen eine aktive Rolle ein: 41 Prozent der erwerbstätigen Zuziehenden suchen gar nicht aktiv nach Arbeit in Zürich, sondern werden aufgrund von Fachkräftemangel von Zürcher Unternehmen angeworben.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie scheint für Zugezogene ein Hindernis zu sein bei der Integration am neuen Wohnort: 80 Prozent der Zugezogenen haben zum Zeitpunkt des Umzugs in den Kanton Zürich keine Familie. Bevorzugter Wohnort der Zugezogenen ist die Stadt Zürich, denn eineinhalb Jahre nach der Einreise in den Kanton Zürich wohnen vier von fünf der befragten Zugewanderten in der Zwinglistadt. Im Arbeitsverkehr belasten diese neu Zugewanderten den motorisierten Individualverkehr wenig; die grosse Mehrheit pendelt mit dem öffentlichen Verkehr im städtischen Gebiet.

Positivste Entwicklung bei verbessertem Ausbildungsniveau der inländischen Bevölkerung

Anhand von fünf Szenarien können Chancen und Risiken des Migrationsverhaltens im Kanton Zürich bis 2030 simuliert werden. Im Basis-Szenario, welches von der gleichen Entwicklung wie in den letzten zehn Jahren ausgeht, steigt der Anteil der ausländischen Bevölkerung im Erwerbsalter von heute 31 Prozent auf 50 Prozent im Jahr 2030. Das bedeutet, dass jede zweite Person im erwerbsfähigen Alter im Kanton Zürich ausländischer Herkunft ist. Drei weitere Szenarien sind mit Risiken verbunden. Eine Abnahme der Zuwanderung führt zu einem geringeren Wirtschaftswachstum und höherer Arbeitslosigkeit aufgrund des steigenden Fachkräftemangels. Die insgesamt positivste Entwicklung tritt dann ein, wenn das Ausbildungsniveau der Schweizerinnen und Schweizer deutlich erhöht wird und gleichzeitig das Erwerbsvolumen der Frauen steigt. Bei diesem Szenario fällt die Arbeitsmigration um einen Drittel geringer aus und das Wirtschaftswachstum ist am höchsten von allen Szenarien.

Gewisser Verdrängungseffekt im Wohnungsmarkt auf traditionelle Zuwanderungsländer

Die zweite Studie der Büros Raumdaten/Sotomo untersucht anhand von neuen Einwohnerregisterdaten die Wohnsituation von Inländern und neu Zugewanderten. Die These der Verdrängung der einheimischen Bevölkerung aus den zentralen, attraktiven Wohnorten lässt sich gemäss der Analyse nicht generell bestätigen. Trotz zunehmender Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt leben in allen Gebieten des Kantons heute mehr Schweizerinnen und Schweizer als vor zehn Jahren. Einzig die traditionellen Einwanderungsgruppen, welche seit längerer Zeit in Zürich ansässig sind, wurden teilweise aus gewissen Zentrumslagen verdrängt.

Zuwanderung steigert Wohneigentumspreise – Mieten bleiben erstaunlich stabil

Befürchtungen einer generellen Einbusse bei der Wohnqualität für die Schweizer Bevölkerung durch die neuen, hochqualifizierten Zuwanderungsgruppen lassen sich ebenfalls nicht bestätigen. Ein gewisser Verdrängungseffekt kann zwar auf dem Neubauwohnungsmarkt festgestellt werden. Dieser findet aber vor allem an den peripheren Lagen statt und betrifft eher bereits ansässige Personen aus traditionellen Herkunftsländern als Schweizerinnen und Schweizer. Weil die Schweizer Bevölkerung im Durchschnitt länger in einem Objekt wohnt, zahlt sie tiefere Immobilien- und Wohnpreise. Schweizer und traditionelle Zuwanderer wohnen überproportional häufig in Genossenschaftswohnungen, während für die neuen Einwanderungsgruppen der Zugang zum genossenschaftlichen Wohnungsbau erschwert ist.

Die neuen Zuwanderungsgruppen treiben die Preise auf dem Wohnungsmarkt zwar in die Höhe, sie sind aber auch diejenigen, welche die gestiegenen Preise zum grössten Teil zahlen müssen. Schweizer profitieren zudem als Eigentümer stärker als die neuen Zuwanderer von steigenden Preisen von Wohneigentum.

(Medienmitteilung des Amtes für Wirtschaft und Arbeit)

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